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Die große Menge derer, die gläubig zu sein scheinen, es aber nicht wirklich sind, bedarf, da sie alle S. 758 solche Tage nicht feiern will oder kann, der Erinnerung wegen sichtbarer Denkzeichen, um nicht volkommen an jenen vorüberzugleiten. Solche Gedanken hat wohl Paulus gehabt, wenn er das Fest, das an festbestimmten, von den andern gesonderten Tagen begangen wird, als „Teil des Festes“ bezeichnet und mit diesem Ausdruck dunkel andeutet, daß ein Leben, welches allezeit dem göttlichen Worte entspricht, nicht „ein Festteil“ sei, sondern ein volständiges und niemans aufhörendes Fest. Man beachte nun wieder mit Rücksicht auf das über unsere Feste Gesagte, ob diese nicht, wenn sie mit „den öffentlichen Festen“ des Celsus und der Heiden zusammen geprüft werden, weit ehrwürdiger sind als jene heidnischen Feste, bei welchen „der Sinn des Fleisches“ sein Gelage feiert und frevelhaft zu Trunkenheit und Ausschweifungen ausartet.
Darüber aber dürfte jetzt viel zu sagen sein, weshalb „die Feste“, die nach dem Gesetze Gottes gefeiert werden, uns lehren, „das Brot der Erniedrigung“ zu essen, oder „ungesäuertes Brot mit bittern Kräutern“, oder was dem ähnlich ist. Denn dem Menschen, diesem zusammengesetzten Wesen, ist es nicht möglich, solange noch „ das Fleisch wider den Geist gelüstet und den Geist wider das Fleisch“, ein Fest mit seinem ganzen Wesen zu feiern. Denn entweder feiert jemand mit dem Geiste und erniedrigt den Körper, der wegen „des fleischlichen Sinnes“ seiner Natur nach nicht imstande ist, zugleich mit dem Geiste zu feiern, oder er feiert ein Fest nach dem Fleisch und versteht nicht, es auch nach dem Geiste zu begehen. Aber dies genügt für jetzt für die Lehre von „den Festen“.
