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Was wollen wir jetzt tun, Brüder, nachdem wir erniedrigt und gedemütigt wurden und wir trunken sind, jedoch nicht von hitzigem Getränke oder vom Weine, S. 330 der auf einige Zeit wanken läßt und benebelt, sondern von den Leiden, womit uns der Herr heimgesucht hat, der da spricht: „Du, o Herz, errege dich und sei unruhig1“, und der die Spötter mit dem Geiste der Trauer und der Finsternis tränkt2, welchen auch das Wort gilt: „Sehet, ihr Spötter, schauet auf, wundert euch und vergehet3!“ Wie werden wir seine Anklagen ertragen? Was für eine Antwort werden wir geben, wenn er uns nicht nur die Menge seiner Wohltaten, für welche wir keinen Dank haben, sondern auch die Heimsuchungen vorhält und die Heilmittel aufzählt, welche wir nicht angewendet haben, wenn er uns als ungezogene Kinder und fremde Söhne, welche vom rechten Pfad wegen seiner Wildheit und Rauhheit abgewichen sind, bezeichnet und erklärt: „Auf welche Art und Weise hätte ich euch erziehen sollen, ohne daß ich es getan habe? Hätte ich es mit leichteren Mitteln versuchen sollen? Ich habe sie angewandt. Nicht versuchte ich es mit dem Blute, das in Ägypten bei der ersten Plage aus Quellen, Flüssen und jeglicher Zisterne getrunken wurde4, nicht versuchte ich es mit den Fröschen, Fliegen, Mücken, den weiteren Plagen5. Ich fing erst mit der fünften Plage an, mit der Strafe am Vieh, an den Rindern und Schafen6. Nur gegen die vernunftlosen Wesen habe ich mich gewandt, die vernünftigen dagegen geschont. Auf euch machte es keinen Eindruck; ihr wurdet vielmehr noch unvernünftiger und dümmer als die getroffenen Tiere. Den Regen habe ich euch entzogen; nur ein Teil wurde vom Regen befeuchtet, während ein anderer Teil, der keinen Regen erhielt, austrocknete7. Ihr erklärtet: Als Männer wollen wir uns zeigen8. Ich habe euch Hagel geschickt, um euch durch dieses Unglück zu erziehen, und habe eure S. 331 Weinberge, Sträucher und Früchte vernichtet, doch eurer Bosheit habe ich kein Ende bereitet.“
