6.
Er führte sie auf den Berg und zeigte ihnen sein Reich vor seinem Leiden und seine Macht vor seinem Tode und seine Herrlichkeit vor seiner Beschimpfung und seine Ehre vor seiner Entehrung, damit sie, wenn er von den Juden gefangen und gekreuzigt würde, erkennen möchten, daß er nicht aus Schwäche gekreuzigt worden sei, sondern aus freiem Willen, weil es ihm so gefiel, zum Heile der Welt. Er führte sie auf den Berg und zeigte ihnen vor der Auferstehung die Herrlichkeit seiner Gottheit, damit sie, wenn er in der Herrlichkeit seiner göttlichen Natur vom Tode erstanden wäre, erkennen möchten, daß er die Herrlichkeit nicht zur Belohnung seines Leidens erhalten habe, als ob er ihrer bedurft hätte, sondern daß sie schon vor aller Zeit mit dem Vater und bei dem Vater sein eigen gewesen sei, wie er ja selbst, als er in das freiwillige Leiden ging, sagte: „Vater, verherrliche mich mit der Herrlichkeit, die ich bei Dir hatte, ehe die Welt war!“ 1 Diese unsichtbare und in der Menschheit verborgene Herrlichkeit seiner Gottheit zeigte er den Aposteln auf dem Berge; denn sie sahen sein Angesicht leuchten wie einen Blitz und seine Kleider weiß wie das Licht. Zwei Sonnen erblickten dort die Jünger: eine am Himmel, wie gewöhnlich, und noch eine auf ungewöhnliche Weise, eine, die ihnen allein schien, nämlich sein Angesicht. Seine Kleider aber zeigte er weiß wie Licht, weil aus seinem ganzen Körper die Herrlichkeit seiner Gottheil hervorquoll und sein Licht allen seinen Gliedern entstrahlte; denn nicht wie bei Moses leuchtete nur äußerlich sein Fleisch in hellem Glänze, sondern die Herrlichkeit S. 187 seiner Gottheit quoll aus ihm hervor. Sein Licht ging auf und blieb in ihm gesammelt, es ging nirgend anderswohin und verließ ihn nicht. Es kam ja auch nicht von anderswoher, um ihn zu verklären; es war ihm nicht etwa zu zeitweiligem Gebrauche geliehen. Er zeigte auch nicht das ganze unergründliche Meer seiner Herrlichkeit, sondern nur soviel ihre Augensterne zu fassen vermochten.
Joh. 17,5. ↩
