18.
Diese ihre Weisheit indes gleicht dem Spinnengewebe. Gerät eine Mücke oder Fliege darein, kann sie sich nicht davon losmachen, sieht man hingegen ein kräftigereres Tierchen irgendwelcher Art hineingelangen, ist es auch schon darüber hinaus, hat das schwache Gewebe durchschlagen und die nichtigen Fäden zerrissen. So ist das Netz der Chaldäer. Schwache Geister bleiben darin hängen, stärkere können nicht zu Schaden kommen. Seht ihr also, die ihr zu den stärkeren S. 148 zählt, Astrologen, so sagt euch: Ein Spinnengewebe weben sie, keinerlei Nutzen kann es bergen, aber auch keine Schlingen, wenn du nicht, ein Opfer der eigenen Schwachheit, der Mücke oder der Fliege gleich darin dich verstrickst, sondern dem Sperlinge oder der Taube gleich das schwache Gespinst in raschem, kühnem Flug zerteilst. Welcher vernünftige Mensch wollte denn glauben, daß einem die Bewegungen der Gestirne, die so oft binnen Tagesfrist wechseln und vielfach in sich zurückkehren, die Abzeichen der Herrschergewalt in die Wiege legen? Wenn dem so wäre, wieviele Zeichen würden binnen Tagesfrist die Geburt von Königskindern melden! Tagtäglich würden sonach Könige geboren und ein Übergang der Königskrone auf die Söhne ausgeschlossen sein. Es würden vielmehr stets aus anderen Ständen Prätendenten hervortreten, welche auf die Herrschaft Anspruch erheben. Welcher Herrscher nun braucht seinem Sohne die Nativität stellen lassen, wenn demselben ohnehin die Herrschaft notwendig gebührt, und wenn er die Nachfolge in der Regierung gar nicht nach eigenem Befinden auf die Seinigen übertragen kann? Wir lesen aber fürwahr: „Abias zeugte den Asaph, Asaph zeugte den Josaphat, Josaphat zeugte den Joram, Joram zeugte den Ozias“1; und die ganze übrige, bis zur Gefangenschaft herabgeführte Reihenfolge der Könige beruhte auf dem Adel der Geburt. Oder konnten etwa die Könige als solche den Gestirnen die Bewegungen vorschreiben, die sie zu machen hatten? Wo wäre denn der Mensch, der über sie Gewalt hätte?
Matth. 1, 7 f. ↩
