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Doch darin teilen sich viele Vögel fast wie in eine gemeinsame Obliegenheit: einzigartig hingegen bleibt jener erstere Zug, in welchem sich eine ausnehmend besorgte Mutterliebe, eine ausgezeichnete kluge Einsicht und Erkenntnis, sodann auch eine gewisse Erfahrung in der Heilkunst begegnen; denn wenn etwa die Augen der Jungen am Erblinden sind oder an stechenden Schmerzen leiden, besitzt sie ein gewisses Heilverfahren, das es ermöglicht, deren Augenlicht den zeitweilig gestörten Gebrauche zurückzugeben.
Klage denn niemand über seine Not, daß er sein Haus mit leerem Beutel verlassen mußte! Ärmer noch ist die Schwalbe. Keinen Heller an Besitz, ist sie nur überreich an Mühe, baut und macht keinen Aufwand, S. 212 bringt den Bau unter Dach und nimmt dem Nachbar nichts weg, fügt niemand im Zwang der Not und Armut einen Schaden zu und verzagt nicht angesichts der noch gänzlich hilflosen Jungen. Uns hingegen regt die Armut auf, quält der Dürftigkeit Not, verleitet und treibt Mangel vielfach zu Schandtat und Verbrechen; aus Gewinnsucht richten wir unser Sinnen, lenken wir unser Trachten auf List und Trug, lassen in schweren Leiden die Hoffnung sinken, verlieren gebrochenen Herzens die Fassung, kauern ratund tatlos am Boden, da man doch gerade dann am meisten auf Gottes Erbarmen hoffen soll, wenn Menschenhilfe versagt.
