37.
Wunderbar ist sonach die Natur im Großen denn „wunderbar ist der Herr im Erhabenen“ , wunderbar aber auch im Kleinen. Denn wie wir die ebenen Gefilde nicht weniger bewundern wie der Berge Höhen, und den stolzen Wuchs der Zeder nicht mehr als des niederen Weinstocks oder Ölbaums Fruchtbarkeit, so flöst mir auch der Elefant nicht mehr Bewunderung ein als die Maus, vor der er sich fürchtet. Diesen Zug nun weist die Natur [der Tiere] überhaupt auf, daß sie in einer Hinsicht furchtbar, in anderer furchtsam sind. Jedes Geschöpf erfreut sich nämlich des besonderen Vorzugs, daß es an gewissen Sondereigenschaften, die es besitzt, einen Schutz hat. Der Elefant, dem Stiere furchtbar, fürchtet die Maus. Den Löwen, den König der Tiere, quält der winzige Stachel des Skorpion, tötet das Gift der Schlange. Einzigartig wohl ist des Löwen Schönheit: mit seinem Nacken schüttelt er die behaarte Mähne, die Brust emporgerichtet, öffnet er den Rachen. Doch wer müßte nicht auch den Skorpion bewundern? Seinen Stachel, so klein, daß man ihn für nichts Körperliches halten möchte, entquillt der Tod von Riesenleibern.
