16.
Was soll ich vom phrygischen Kulte sagen, bei dem die Unzucht Sitte ist?1 Und wäre es nur die des schwächeren Geschlechtes! Was von der Bacchusfeier, wo das Geheimnis der Religion der Entfachung der Begierlichkeil dient?2 Wie mag da, wo die Hurerei der Götter zum Kulte gehört, das Leben der Priester S. 321 beschaffen sein? Da gibt es denn keine gottgeweihte Jungfrau.
Gemeint ist der Dienst der Kybele (Rhea). Zur Kaiserzeit wußte sich die ausschweifende Feier, deren Mittelpunkt Kybeles leidenschaftliche Zuneigung zum schönen Jüngling Attis bildete, auch in Rom Eingang zu verschaffen. Vgl. Lucret. De rerum nat. II 598 sqq. ↩
Die berüchtigten Bacchanalien drangen ebenfalls aus Großgriechenland in Italien ein und nahmen in den letzten beiden Jahrhunderten v. Chr. einen recht unsittlichen, ja verbrecherischen Charakter an. Ein Senatsverbot suchte sie vergeblich auszurotten. ↩
