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Zahllos nun sind die Gepflogenheiten, zahllos die Arten der Fische. Die einen, wie jene größeren, gefleckten, die man Forellen nennt, erzeugen Eier und legen sie zur Ausbrütung ins Wasser. Das Wasser also gibt ihnen, gleichsam eine zärtliche Mutter der lebenden S. 171 Wesen, Leben und Dasein und vollzieht so heute noch die Aufgabe, die ihm jenes erstmalige Gebot wie ein dauerndes Gesetz übertragen hat. Andere Fischarten erzeugen lebendige Junge aus ihrem Leibe, wie die Meerottern und Seehunde und Walungeheuer, die Delphine und Robben und andere derartige Seetiere. Wenn nun diese, nachdem sie geboren, merken, daß etwa jemand ihre Jungen irgendwie gefährde und bedrohe, sollen sie, um dieselben zu schützen oder der zarten Brut mit mütterlicher Besorgnis die Angst zu beheben, den Rachen öffnen und die Jungen schonend zwischen die Zähne nehmen, sogar in ihr Inneres aufnehmen und im Mutterschoße bergen. Welche menschliche Liebe könnte es solcher Mutterliebe bei den Fischen gleichtun? Mit dem Kusse müssen wir uns begnügen; ihnen genügt er nicht; sie öffnen ihr Inneres, nehmen die Jungen wohlbehalten darin auf und dahin zurück, beleben sie gleichsam von neuem mit dem Hauche ihrer Wärme, kosen sie mit ihrem Odem und leben solange zu zwei in einem Leib, bis sie ihrer Brut entweder Sicherheit, oder aber im Bollwerk ihres Leibes Schutz vor Gefahren verschaffen. Wer wollte nicht angesichts dessen der so zärtlichen Liebe der Fische schonen, auch wenn er ihrer habhaft werden könnte? Wer würde nicht von Bewunderung und Erstaunen darüber ergriffen, daß die Natur bei den Fischen treu wahrt, was sie bei den Menschen nicht wahrt? Gar manche töteten aus Argwohn in stiefmütterlicher Gehässigkeit ihre heißersehnten Kinder, andere zehrten in Hungersnot, wie wir lesen, ihre eigene Leibesfrucht auf. Menschenlieblingen ward „die Mutter zum Grab“, der Fischbrut der Mutterschoß, der die Lieblinge mit seinen innerlichen Organen wie mit einem Walle unversehrt beschützt, zur Wehr.
