14.
Auch du bist ein [Raub]Fisch, der du über fremdes Gut und Blut herfällst; der du den Schwachen in die Tiefe ziehst, den Fliehenden bis auf den Grund verfolgst. Gib acht, daß du nicht, während du ihn verfolgst, selbst auf einen Stärkeren stößt, und jener, während er deinen Nachstellungen ausweicht, dich den Nachstellungen eines anderen ins Garn führt und zuvor noch Zeuge deines Mißgeschickes wird, nachdem er, solange du den Verfolger spieltest, sein eigenes befürchten mußte. Was wäre für ein Unterschied zwischen dem Reichen, der mit der Unersättlichkeit ruchloser Habgier S. 176 das Vatergut hilfloser [Kinder] aufzehrt, und zwischen dem Waller, der den Bauch voll kleiner Fischleiber hat?
„Da ging der Reiche mit Tod ab“, und nichts halfen ihm seine erbeuteten Schätze, ja nur verwerflicher machte ihn die Schande seines Raubes. Da ging der Waller ins Netz, und seine nichtsnutzige Beute ward aufgedeckt: wie viele Fische wurden in ihm vorgefunden, die andere verschlungen hatten! Auch du, Reicher, trägst in deiner Tasche den Räuber, der den Nächsten geplündert. Er hatte die Habe eines Armen inne, dessen er sich bemächtigt hatte. Mit seiner Vergewaltigung hast du deinem Besitztum zwei Vermögen einverleibt. Und noch hast du mit dem so gewaltigen Vermögenszuwachs nicht genug. Du gibst vor,nur andere rächen zu wollen, während du das gleiche tust, was du bestrafst, an Ungerechtigkeit den Ungerechten, an Schuld den Schuldigen, an Habsucht den Habsüchtigen noch überbietend. Sieh zu, daß es mit dir nicht das gleiche Ende nimmt wie mit jenem Fische! Hüte dich vor Angel und Netz! Doch du pochst auf deine Macht, niemand könne dir widerstehen. Auch der Waller verließ sich darauf, daß ihm, niemand eine Angel legen, niemand ein Netz werfen werde, und daß er, wenn er darein geriete, alles zerreißen würde: Und doch entging er der Harpune nicht, oder aber geriet in ein so starkes Fangnetz, daß er sich demselben nicht zu entwinden vermochte. So wird zweifelsohne auch menschliches Unrecht umso weniger, je schwerer es sich verging, in seinem frevlen Tun sich sicher fühlen können, daß es nicht einmal die Strafe büßen werde, die zur Sühne der Freveltaten sicher schwerlich sich abwenden läßt.
