13.
Unterdessen dringt bei diesem Durcheinander auch ein blutgieriger Sieger in das Haus Marcellas. „Es sei mir erlaubt, Gehörtes zu sagen“1 , was heilige Männer als Augenzeugen beobachtet haben, welche auch erwähnen, daß du mit ihr die Gefahr geteilt hast. Furchtlosen Antlitzes soll sie die Eindringlinge empfangen haben. Als man von ihr Geld forderte, wies sie auf ihre armselige Tunika hin, um den Verdacht, Schätze vergraben zu haben, von sich abzulenken. Doch ihre freiwillige Armut fand keinen Glauben. Sie wurde mit Stöcken und Geißeln geschlagen; aber, wie man sagt, hat sie diese Mißhandlungen nicht gespürt. Jedoch soll sie sich den Feinden unter Tränen zu Füßen geworfen und sich darum bemüht haben, daß man dich nicht ihrer Gesellschaft berauben möchte, damit du bei deiner Jugend nicht leiden müßtest, was sie bei ihrem Alter nicht mehr zu fürchten brauchte. Christus erweichte die harten Herzen, und inmitten der bluttriefenden Schwerter fand noch die Menschenliebe eine Stätte. Die Barbaren führten sie und dich zur Basilika des Apostels Paulus2 , um euch einen Zufluchtsort, vielleicht auch eine Grabstätte anzuweisen. Sie soll in solche Freude ausgebrochen sein, daß sie Gott Dank sagte, weil er dich unversehrt bei ihr gelassen, S. 194weil die Eroberung sie nicht arm gemacht, sondern arm vorgefunden hatte, weil sie des täglichen Brotes entbehrte, aber, von Christus gesättigt, den Hunger nicht spürte, weil sie durch Wort und Tat bezeugen konnte: „Nackt bin ich hervorgegangen aus meiner Mutter Schoß, nackt werde ich zurückkehren. Wie es dem Herrn gefallen hat, so ist es geschehen. Der Name des Herrn sei gebenedeit“3 .
