Erstes Buch.
S. 21 Bekenntniß, dieses Werk zur Abweisung der von den Heiden so oft den Christen gemachten verläumderischen Beschuldigung, sie seyen die Ursache aller Uebel und selbst der Entfernung der Götter von den menschlichen Angelegenheiten, unternommen zu haben. Deßhalb Darlegung, daß seit Entstehung des Christenthums weder im Bestand der Natur noch in den menschlichen Zuständen sich irgend Etwas verändert oder umgestaltet habe; Widerlegung, daß ob der Christen Impietät die Götter das Menschengeschlecht mit Pest und anderen Kalamitäten heimsuchen: denn die vorchristliche Geschichte berichtet schon von solchen Uebeln. Auch Kriege wurden von ältester Zeit her geführt; die christliche Lehre hat diese vielmehr gemindert und gemildert. Untersuchung, woher so vielfache Uebel? Meist aus natürlichen Ursachen oder durch die Menschen selbst und ihre Meinungen. Unerweislichkeit der Behauptung, daß während dem dreihundertjährigen Bestand des Christenthums stätes Elend geherrscht: denn immer wechselte Gutes und Böses, Glück und Unglück, Christen wie Heiden ohne Unterschied überkommend. Den Göttern als unsterblichen Wesen kommt der Zorn nicht zu: denn jede Leidenschaft bringt Zerstörung und Auflösung; er ist ihrer unwürdig, da sie Menschen zur Hilfe bedürfen. Warum hassen und verfolgen die Götter die Christen? Weil diese einen neuen Gottesdienst auf dem Erdkreise ausbreiten. Die Christen sind Verehrer des höchsten Gottes nach Christi Lehre (Nr. 25.). Daher ist dieser Sache eine bessere als die jener, welche die falschen bei Christi Erwähnung zitternden Götter anbeten: denn sie verehren den Vater, von dem selbst die Heidengötter ihr Daseyn und ihre etwaige Göttlichkeit empfangen haben. Der wahrhaftige Gott ist der Schöpfer aller Dinge und steht in jeder Hinsicht hoch über allen Göttern (Nr. 29.). Jeder Mensch ist Seiner von Natur schon bewußt; Jupiter aber kann kein wahrhaftiger Gott seyn, weil als Mensch gezeugt, geboren und gestorben: denn Gott ist unerzeugt und ewig. Widerlegung des Einwurfes, daß die Christen nicht den allmächtigen Gott, sondern einen Menschen, der schimpflich am Kreuze geendet, als einen Gott anbeten (Nr. 36.). Verehren die Heiden Menschen als Götter, die ihnen besondere Wohlthaten erwiesen, um wie mehr verdient dann Christus selbst als bloßer Mensch solche Ehre. Die Todesart hat keinen Einfluß auf die Beurtheilung der Handlungen und Lehren eines Menschen. Selbst Götter erlitten gewaltsamen Tod. Christus war aber nicht bloß Mensch; er ist unbezweifelbar Gott, vom Vater zur Erlösung der Menschheit gesendet (Nr. 42.), und dieß hat Er durch unzählige Wunderthaten dargethan. Mit S. 22 seinen Wunderheilungen können die der Götter nicht gleichgestellt werden: denn Er heilte und wirkte lediglich mit Einem Worte; nicht bloß die Guten beachtend, sondern auch die Bösen. Die Wahrhaftigkeit seiner Wunderkraft bewies er ferner durch Uebertragung derselben an seine Jünger. Zeugniß für seine Gottheit legten bei der Kreuzigung auch die Elemente ab (Nr. 53.). Zeugen für seiner Thaten Wahrheit sind die Apostel und Jünger, welche mit Gefahr des Todes dieselben verkündeten; wie auch die schnelle Verbreitung seiner Lehre unter allen Völkern dafür den Beweis liefert. Nicht Alles ist aufgezeichnet; was aber aufgezeichnet worden, hat die Bosheit der Dämonen und Irrlehrer verfälscht. Den Nachrichten der Heiden von ihren Göttern ist noch weit weniger zu trauen: denn obwohl älter, sind sie desto fabelhafter. Die christlichen Schriftsteller sind ungelehrt und einfältig: also unfähig des Betruges. Ihre Schreibart ist gemein und ungeregelt: die Wahrheit bedarf keiner Schminke. Selbst die Römer fehlen im Ausdrucke. Beantwortung des Einwurfes: warum erschien und starb Chrisstus, war Er Gott, als Mensch? (Nr. 60.) Weil er nur in Menschengestalt den Zweck seiner Sendung erreichen mußte. Nur der Mensch, den Er angezogen herumtrug, nicht Gott starb am Kreuze. Ueberhaupt ist Christi Tod für die Heiden, wie für ihre Götter ein unbegreifliches Geheimniß. Er übernahm denselben freiwillig, um den Menschen das Heil zu bringen, und die Undankbaren hassen Ihn, der doch allein das Mittel, der Todesgefahr zu entgehen, geoffenbart.
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