12. Kap. Hinweis auf die Höllenstrafen, denen man durch die Buße entgeht.
Wenn du gegen die Exomologese Bedenklichkeiten hegst, so stelle dir im Herzen die Hölle vor, welche die Exomologesis dir auslöschen wird. Vergegenwärtige dir zuvor die Größe der Strafe, so wirst du mit der Annahme des Heilmittels nicht länger zaudern. Wofür haben wir nicht erst jenes ewige Feuermeer anzusehen, wenn schon bloße Abzugsschlote1 desselben so gewaltige Feuerströme ausstoßen, daß die benachbarten Städte bereits vernichtet sind oder dieses Schicksal jeden Tag erwarten? Es bersten majestätische Berge durch das innere Feuer, welches sich in ihrem Schoße befindet, und - ein Umstand, der uns die ewige Dauer des kommenden Strafgerichtes beweist - obwohl sie bersten, obwohl sie verschlungen werden, so nehmen sie doch kein Ende, Wer wollte nicht sofort die schrecklichen Erscheinungen an diesen Bergen für Vorbilder des dräuenden Gerichtes halten, wer nicht darin einstimmen, daß diese Funken Aussprühungen eines gewaltigen und unergründlichen Feuerherdes und gewissermaßen seine Versuchsgeschosse sind! Wenn du also weißt, daß es gegen die Hölle, jenem ersten Verwahrungsmittel, außer der Taufe des Herrn noch einen zweiten Schutz in der Exomologese gibt, warum lassest du dein Heil im Stich? Warum zauderst du, nach dem zu greifen, wovon du Heilung zu erwarten hast?
S. 246Selbst das stumme und unvernünftige Getier erkennt die ihm von Gott bestimmten Heilmittel zur rechten Zeit. Der von einem Pfeil getroffene Hirsch weiß, daß er Diptam2 anwenden muß, um das Eisen und die festsitzenden Widerhaken aus der Wunde los zu werden. Die Schwalbe weiß, wenn ihre Jungen erblindet sind, sie wieder mit Schwalbenwurz sehend zu machen. Und der Sünder, der da weiß, daß die Exomologese zu seiner Wiederherstellung vom Herrn eingesetzt ist, sollte sie verabsäumen, sie, die jenem bekannten Könige von Babylon wieder zu seiner Herrschaft verholfen hat? Lange Zeit hindurch hat derselbe dem Herrn seine Bussübung aufgeopfert und in siebenjähriger Trauer Exomologese geleistet; seine Nägel waren verwildert nach Art von Adlerklauen, sein vernachlässigtes Haupthaar bot den schrecklichen Anblick eines Bären. Fürwahr eine üble Behandlung! Da sich die Menschen vor ihm entsetzten, so nahm Gott ihn wieder auf.
Der ägyptische Herrscher dagegen, der das Volk Gottes lange Zeit bedrückte, der sich lange Zeit weigerte, es seinem Herrn herauszugeben, der sich zu dessen Verfolgung in einen Kampf stürzte, obwohl nach den Beweisen der vielen Plagen noch die Teilung des Meeres stattfand, welches dem Volke allein den Durchgang gestattete - der kam durch die zurückströmenden Fluten um. Er hatte auch die Buße und deren Leistungen, die Exomologesis, von sich gewiesen.
Warum aber bin ich bei Behandlung dieser beiden rettenden Planken zum Heile der Menschen noch länger fast mehr auf Übung meiner Feder als auf meine Gewissenspflicht bedacht? Weil ich mit jeder Art von Sünden behaftet und für nichts anderes, als Buße zu tun, geboren bin, so kann ich über das nicht schweigen, wovon selbst Adam, der Erstling des Menschengeschlechts und der erste Sünder gegen den Herrn, durch die Exomologese wieder in sein Paradies zurückversetzt, nicht schweigt.
