13.
Der hinterlistige Kiebitz raubt fremde, d.i. eines anderen Kiebitzes Eier und brütet sie mit seinem Leibe aus, kann aber von seinem Truge keine Frucht ernten; denn sobald er seine Jungen ausschlüpfen läßt, verliert er sie. Sobald nämlich diese den Lockruf jenes Kiebitzes hören, der die Eier legte, verlassen sie ihn und eilen von einem gewissen natürlichen Instinkt und Trieb geleitet, zu jenem; denn in diesem erkennen sie ihre Mutter, von der die Eier stammen. Sie geben damit zu verstehen, daß jener andere ihnen nur Ammendienst, dieser Mutterdienst leistete. Umsonst also vergeudet jener seine Mühen und findet die verdiente Strafe für S. 242 seinen Trug. Darum auch des Jeremias Ausspruch: „Es schreit der Kiebitz und sammelt, was er nicht erzeugte“, d.i. er sammelt Eier und schreit gleichsam voll Jubel über das Gelingen seines Truges. Doch eitle Freude! Denn die Mühe, die er aufwendet, gilt einem anderen; ihm zieht er die Küchlein auf, die er in langem, emsigen Brüten beseelte. Sein Nachäffer ist der Teufel. Auch er trachtet die Erzeugnisse des ewigen Schöpfers zu ergattern. Und ob es ihm auch gelingt, manche Toren, denen es an eigener geistiger Mündigkeit fehlt, um sich zu sammeln, mit fleischlichen Lüsten sie hegend:sobald der Ruf Christi an die Kleinen ergeht,entfliehen sie und eilen zur Mutter [Kirche], die ihre Kinder wie ein Vogel mit mütterlicher Liebe umfängt. Es sammelte der Teufel die Heiden, die er nicht erschaffen hatte. Doch sobald Christus in seinem Evangelium die Stimme erhob, da eilten sie flugs zu ihm, und er nahm sie unter den Schatten seiner Fittiche und übergab sie der Mutter Kirche zur Aufziehung.
