4.
Die Tafel der Könige und das Gastmahl der Fürsten hörten auf. Wenn man sogar den Säuglingen die Milch entzog, wer mochte da ein Freudenmahl bestellen? Das Vieh entwöhnte man des Wassers, wer mochte da Wein trinken? Wenn der König den Bußsack anzog, wer mochte sich da in Gala werfen? Wenn die Dirnen keusch wurden, wer mochte da an das Ehebett denken? Wenn die Ausgelassenen von Schauder ergriffen wurden, wer erlaubte sich da noch zu lachen? Wenn die Fröhlichen weinten, wer mochte sich da an Späßen ergötzen? Wenn die Diebe Redlichkeit übten, wer mochte da seinem Nebenmenschen Unrecht tun? Wenn die Stadt von einem Ende bis zum andern zitterte, wer mochte da sein Haus bewachen? Das Gold lag auf dem Boden, aber niemand stahl es; offen standen die Schätze, aber niemand raubte sie. Die Weibernarren entwöhnten ihre Augen, die Weiber zu begaffen; die Weiber verbargen ihre Reize, um den Anblickenden keinen Anstoß zu geben; denn sie wußten wohl, daß dadurch allgemeiner Schaden entstünde und daß auch sie dem Verderben nicht entgehen würden, wenn sie anderen zum Ärgernis gereicht hätten. Die schönen Weiber legten der Buße der Stadtbewohner kein Hindernis in den Weg; sie wußten gar wohl, daß ihretwegen die Büßer jetzt trauern müßten. So heilten sie einander und wurden geheilt durch die Buße. Keiner verführte den andern zur Sünde, denn jeder verfolgte die Sünde. Jeder trieb den andern zum Gebet und zur Fürbitte auf. Die ganze Stadt war ein Leib! Jeder Bewohner ohne Ausnahme überwachte die andern, daß ja niemand sich gegen den Nächsten verfehle. Jeder belehrte den andern, damit er durch sein Mitglied Rechtfertigung erlange.
