86.
Die Nachteule wie merkt sie doch mit ihren großen blauen Augensternen nichts vom dunklen Schauer der nächtlichen Finsternis und betätigt gegen die Gepflogenheit der übrigen Vögel gerade im tiefsten Dunkel der Nacht am ungehindertsten ihren Flug, während mit Tagesanbruch ihr Blick vor dem rings ausgegossenen Sonnenlichte erblindet und gleichsam im Dunkel irrt! So erinnert ihr Verhalten deutlich daran, daß es Leute gibt, die, ob sie schon Augen haben zu sehen, nicht zu sehen pflegen und ihres Augenlichtes nur im Finstern sich bedienen. Von des Herzens Augen spreche ich. Die Weisen der Welt haben sie und sehen nicht; im Lichte schauen sie nichts; in der Finsternis wandeln sie, während sie über die Finsternis der Dämonen nachgrübeln und des Himmels Höhen zu schauen wähnen, die Welt mit dem Zirkel berechnend und selbst die Ausdehnung des Luftraumes bemessend. Schließlich aber verfallen sie, vom Glaubenspfade abgeirrt, trotz des Tages Christi und des Lichtes der Kirche, die ihnen aus nächster Nähe leuchten, der Finsternis ewiger Blindheit. Sie sehen nichts, nehmen aber den Mund voll als wären sie S. 230 allwissend; scharsinnig in bezug auf das Vergängliche, stumpfsinnnig in bezug auf das Ewige, in der Gewundenheit ihrer langen Streitreden nur die Blindheit ihres Wissens verratend. Mit feinbeschwingten Worten wollen sie zum Fluge ausholen: da erlischt ihnen auch schon gleich der Nachteule das Auge im Lichte.
