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Die Fledermaus [vespertilio], ein unansehnliches Tierchen, hat ihren Namen vom Abendstern [vesper]. Sie hat Flügel und zugleich vier Füße und ist im Gebrauch von Zähnen, die man sonst bei Vögeln nicht zu treffen pflegt. Sie setzt wie die Vierfüßler statt der Eier lebendige Junge ins Dasein, fliegt aber nach Art der Vögel in der Luft, doch gewöhnlich erst zur Zeit der Abenddämmerung. Sie fliegt aber nicht mittels Fittichen irgendwelcher Art, sondern mittels ihrer Flughaut. Von dieser wie von Flugfedern in Schwebe gehalten, fliegt und flattert sie herum. Auch das ist diesem unscheinbaren Tierchen eigen: daß sie sich aneinander heften und gleich einer Traube an irgendeiner Stelle hängen, und der ganze Knäuel sich erst auflöst, wenn je die äußerste sich davon losmacht. Es ist dies das Gebaren einer Liebe, wie sie kaum bei den Menschen auf dieser Welt zu treffen ist.
