34.
Da wird einer sagen: du mißbilligst also die Ehe? Nein, ich billige sie und verurteile jene, welche sie zu mißbilligen pflegen1. Ich verweise doch so gerne auf die Ehe einer Sara, Rebekka und Rachel sowie sonstiger alttestamentlicher Frauen zur Begründung der einzelnen Tugenden. Wer nämlich die Ehe verwirft, verwirft auch den Kindersegen, ja verwirft die menschliche Gesellschaft, die auf dem Wege geschlechtlicher Abfolge sich fortpflanzte. Wie hätte denn die Jahrhunderte fort ein Menschenalter dem anderen folgen können, wenn nicht Heiratslust das Interesse an der Kindererzeugung geweckt hätte? Oder wie dürfte man in der Predigt daran erinnern, wie der unschuldige Isaak als Opfer der Frömmigkeit seines Vaters an den Altar trat2, wie Israel im menschlichen Leibe Gott schaute3 und seinen heiligen Namen seinem Volke gab4, wenn man ihre Herkunft verwirft? In einem Urteil freilich begegnen sich selbst auch diese gottlosen Menschen, das in diesem Punkte auch von den größten Weisen bestätigt werden muß, daß sie mit der Verwerfung der Ehe das Bekenntnis aussprechen: wir sollten nicht geboren sein!
Die folgende Polemik kehrt ihre Spitze vor allem gegen die Manichäer, welche die Ehe grundsätzlich verwarfen, indem ihnen als drittes Mittel der Erlösung die Beobachtung des signaculum sinus, d.i. die Enthaltung vom geschlechtlichen Umgang galt. Cf. Aug., De haer. c. 46. ↩
Gen. 22, 1 ff. ↩
Gen. 32, 30. ↩
Gen. 32, 27 ff. ↩
