45.
[Forts. v. S. 334 ] Mit Vorliebe sprießt sie in den Gärten, in denen Susanna sie beim Lustwandeln fand, eher zu sterben bereit, als ihre Reinheit preiszugeben1. Welches aber diese Gärten sind, zeigt sie selbst mit den Worten: „Ein verschlossener Garten bist du, meine Schwester-Braut, ein verschlossener Garten, eine versiegelte Quelle“2. Nur in solchen Gärten nämlich sprudelt hellen Strahls die Flut des reinen Quells, besiegelt mit dem Bilde Gottes3, daß nicht die unreinen Geister gleich Tieren darin sich wälzen und mit ihrem Schmutz sie trüben. Mit einer geistigen Mauer umfriedet sich darum jene jungfräuliche Reinheit, um nicht räuberischem Überfall ausgesetzt zu sein. Wie ein den Dieben unzugänglicher Garten strömt sie Rebenduft aus, atmet Olivenduft, strahlt der Rose Schönheit wider: in der Rebe erblüht der Frommsinn, in der Olive der Friede, in der Rose die Reinheit der gottgeweihten Jungfräulichkeit. Das ist jener Wohlgeruch, den der Patriarch Jakob ausströmte, als er zu hören verdiente: „Sieh, der Duft meines Sohnes ist wie der Duft vollen Feldes“4. Mochte nämlich auch das Ackerfeld des heiligen Patriarchen voll von fast allen Fruchterzeugnissen wogen: dort brachte es vermöge größerer Tugendarbeit Erntefrüchte, hier Blumen hervor.
