2.
Jesus und seine heiligen Engel rufe ich als Zeugen an, und insbesondere den Engel, welcher Schützer und Begleiter der wunderbaren Frau war, daß ich nicht zu ihren Gunsten, nicht nach Art der Schmeichler rede. Sondern was ich sagen will, sage ich, wie wenn ich im Zeugenverhör stände. Weit bleibt es zurück hinter ihren Verdiensten, welche der ganze Erdkreis rühmt, die Priester bewundern, die Chöre der Jungfrauen sehnsüchtig missen, die Scharen der Mönche und Armen beklagen. Wenn ich den Leser über ihre Tugenden kurz unterrichten soll, dann brauche ich nur anzuführen, daß sie, selbst noch ärmer, all die Ihrigen arm zurückgelassen hat. Ruhig kann man dies hinsichtlich ihrer Angehörigen und ihres Hausgesindes, das sie sich, soweit es aus Sklaven bestand, zu Brüdern, soweit es Mägde waren, zu Schwestern umgebildet hatte, sagen. Denn sogar der Jungfrau Eustochium, der treuen Dienerin Christi, zu deren Trost dieses Buch verfaßt wird, hat sie nichts anderes als einen reichen Schatz an Glauben und Gnade hinterlassen, was der Art adeliger Geschlechter nicht zu entsprechen pflegt.
