7.
Paula landete auf den pontinischen Inseln1 , die berühmt geworden sind durch die Verbannung der Flavia Domitilla2 , welch edle Frau unter dem Kaiser S. 103Domitian wegen ihres christlichen Bekenntnisses dorthin ins Exil geschickt worden war. Sie besuchte die Räume, in welchen jene ein langes Martyrium erduldet hatte. Dann verlangte sie Flügel anzulegen, um Jerusalem und die heiligen Orte zu sehen. Zu sanft wehten ihr die Winde, zu träge schienen ihr die Bewegungen des Schiffes. Zwischen Scylla und Charybdis hindurch gelangte sie ins Adriatische Meer und kam, wie wenn die Fahrt durch stilles Wasser ginge, nach Methone3 , wo sie ihrem Körper etwas Erholung gönnte
„Und von der Salzflut triefend den Leib am Gestade hinstreckte4 . Längs der Cykladen, verstreut in die See, Cythere, Malea Und die Sunde vorbei, wildtosend an häufigen Landen“5
kam sie nach Rhodus, Lycien6 und endlich nach Cypern, wo sie sich dem heiligen und ehrwürdigen Epiphanius zu Füßen warf. Zehn Tage hielt er sie zurück, damit sie sich erholen sollte, während sie tatsächlich die Zeit im Dienste Gottes verbrachte. Sie besuchte nämlich alle Klöster der Umgegend, und soweit sie konnte, teilte sie Geldspenden an die Brüder aus, welche aus Liebe zu einem heiligen Manne7 vom ganzen Erdkreise sich dorthin zurückgezogen hatten. Dann ging es in kurzer Fahrt hinüber nach Seleucia8 , von wo aus sie sich nach Antiochia hinauf begab. Hier hielt sie der heilige Bekenner Paulinus in liebenswürdiger Weise einige Zeit zurück; dann reiste die vornehme Frau, welche in früheren Tagen von Eunuchen getragen wurde, auf einer Eselin mitten im Winter, doch erwärmt durch das Feuer des Glaubens, ab.
Eine Inselgruppe an der Küste Latiums im Golfe von Gaeta, deren größte die insula Pontia war. Sie wurde von den Kaisern mehrfach als Verbannungsort benutzt. ↩
Sie ist nicht zu verwechseln mit ihrer gleichnamigen Tante, die nach der Insel Pandataria verbannt wurde. ↩
Hafenstadt im Südwesten von Messenien. ↩
Verg. Aen. I, 173. ↩
Verg. Aen. III, 126f. ↩
Küstenlandschaft Kleinasiens, welche von Karien, Pisidien und Pamphylien eingekreist wird. ↩
Gemeint ist der hl. Hilarion, der auf Cypern gestorben war, ↩
Die nach Seleukos benannte Hafenstadt Antiochias, Seleukia Pieria, die an der Mündung des Orontes lag. ↩
