24.
Zu Antiochien wurde, wie man erzählt, in einem abgelegeneren Stadtteile gegen den anbrechenden S. 251 Morgen ein Mann ermordet, der einen Hund an seiner Seite hatte. Ein Soldat war aus Raubgier zum Mordbuben geworden. Im schützenden Dunkel des anbrechenden Tages war er nach anderen Stadtteilen entwichen. Noch lag der Leichnam unbeerdigt da. Eine zahlreiche Menge von Neugierigen stand herum. Mit jämmerlichen Gewinnsel beklagte der Hund das unglückliche Los seines Herrn. Da mengte sich wie von ungefähr der Mörder in den rings herumstehenden Zuschauerkreis und drängte sich Mitleid heuchelnd an den Leichnam heran, so hält es ja menschliche List gerne: das Verkehren mitten unter den Leuten soll von vorneherein den Anschein der Unschuld erwecken. Da ließ nun der Hund für einige Augenblickt die Trauerklage verstummen, rüstete sich zur Rache, faßte den Mörder und hielt ihn fest. Mit den Schlußtönen gleichsam seiner Trauermelodie, die er stöhnte, rührte er alles zu Trönen und machte die Überführung [des Verbrechers] dadurch glaubhaft, daß er ihn allein aus dem großen Haufen stellte und nicht mehr losließ. In der Verlegenheit schließlich vermochte dieser, weil er den so offenkundigen Verräter der Tat auch nicht mit der Ausrede, es sei Haß oder Feindschaft oder Eifersucht oder Unrecht von irgendeiner Seite im Spiele, entkräften konnte, sein Verbrechen nicht länger zu leugnen. So hatte also, was schwieriger war, der Hund [seinem Herrn] Sühne verschafft, da er ihm keinen Schutz leisten konnte. Welch würdigen Dienst leisten wir unserem Schöpfer, dessen Brot wir essen? Wird er beleidigt, drücken wir die Augen zu und setzen oft Feinden Gottes gastlich jene Speisen vor, die wir von Gott empfangen haben.
