8.
Gar manche meinen indes, unser Herr selbst werde in den vier Evangelienschriften unter den vier Tiergestalten symbolisch dargestellt, indem er zugleich Mensch, zugleich Löwe, zugleich Kalb, zugleich Adler sei: Mensch, weil er aus Maria geboren ward; Löwe, weil er „der Starke‟1 ist; Kalb, weil er Opfer ist; Adler, weil er die Auferstehung ist2. Und zwar gelangen in den einzelnen Schriften die Tiergestalten in der Weise zur typischen Verwendung, daß der Inhalt einer jeden entweder der Natur oder der Kraft der vorstehenden Wesen oder ihrer (typischen) Beziehung zur Gnade oder zum Wunder entspricht. Denn wenn auch dies alles in allen (Evangelien) sich findet, so gelangen die Einzelvorzüge doch nur in je einem derselben zur erschöpfenden Darstellung: Der eine (Evangelist) schrieb ausführlicher über die menschliche Abstammung (Christi) und gab zugleich in ausführlicheren Vorschriften eine sittliche Anleitung des Menschen; der andere begann mit der ausdrücklichen Hervorhebung seiner göttlichen Macht, wie er, ein König von einem Könige, ein Starker von einem Starken, ein Wahrhafter von einem S. 12 Wahrhaftigen, ob seiner lebendigen Kraft den Tod verachtete; der dritte stellte an den Anfang das Opfer eines Priesters und verbreitete sich in erschöpfenderer Darstellung über die Hinopferung des Opferkalbes (Christus) selbst; der vierte brachte eingehender als die übrigen die Wunder der göttlichen Auferstehung zum Vortrag. So ist also „einer alles und einer in allen‟3, wie es in der Schriftlesung geheißen hat; nicht in jeder Schrift anders, sondern in sämtlichen wahr dargestellt. ― Doch nun laßt uns an den Wortlaut des Evangeliums selbst herantreten!
