3. Es war unvorsichtig, den Aussagen unbekannter Menschen Glauben zu schenken; Lazarus und Heros werden als schlecht und boshaft geschildert.
Ich sehe ferner, daß dieser Pelagius durch das Schreiben des Heros und Lazarus beschimpft wird. Kam euch denn, theuerste Brüder, nie, auch nicht gerüchtweise zu Ohren, wer diese Wirbelwinde oder Stürme der Kirche seien? War denn ihr Leben und ihre Verurtheilung so ganz unbekannt? Obgleich eine besondere Anordnung des apostolischen Stuhles sie von aller Gemeinschaft ausgeschlossen, so erfahret doch, wenn auch kurz, in diesem Schreiben ihre Sitten. Bei Lazarus ist es eine alte Gewohnheit, die Unschuld anzuklagen. Auf vielen Concilien ward er als ein diabolischer Ankläger gegen den hl. Britius, unseren Mitbischof von befunden. Von Proculus von Marseille wurde er auf der Turiner Synode ein Verleumder genannt. 1 Von S. 244 demselben Proculus wird er viele Jahre später, ein Vertheidiger eines tyrannischen Urtheils, zum Bischofe von Aix geweiht; da aber die unterjochte Stadt sich dagegen sträubte, drang er in das Heiligthum und auf den bischöflichen Stuhl ein, welcher fast mit unschuldigem Blute befleckt war. So lange hielt der Schatten seiner Bischofswürde Stand, als der Schein der Kaiserwürde an dem Tyrannen; nach der Ermordung seines Beschützers aber zog er sich freiwillig von diesem Posten zurück und verurteilte sich durch freiwilligen Verzicht. Bezüglich des Heros jedoch verhält sich Alles in ähnlicher Weise: derselbe Tyrann als Beschützer,Mord, Unruhen, Fesseln und Kerker der sich widersetzenden Priester und Überwältigung der ganzen Stadt, eine ähnliche Buße mit der Abdankung vom Bischofsthume. 2 Zu verwundern ist es, wenn Solche einen Laien, 3 welcher in einem S. 245 langen Dienste Gottes gute Früchte zu bringen sich bemühte, durch falsche Schreiben4 nicht zu Grunde richten wollten, die ja gegen ihre Brüder und Mitbischöfe so vieles Böse ersannen, so viel Stürme gegen die Kirche erregten. Es ziemt sich der bischöflichen Würde und besonders euerer Klugheit nicht, den Schriften leichtfertiger Ohrenbläser Gehör zu schenken. Seht, Pelagius und Cälestius stehen in ihren Schreiben und Bekenntnissen vor dem apostolischen Stuhle; wo ist Heros, wo Lazarus, Namen, vor denen man wegen ihrer Thaten und so vieler Verurteilungen erröthen muß? wo jene Jünglinge, Timasius und Jacobus nemlich, welche gewisse Schriften, wie man versicherte, (von Pelagius Hand) vorbrachten? 5 Urtheilet selbst, ob man gegen die, welche beim apostolischen Stuhle ein solches Glaubensbekenntniß ablegen, dem, was gegen sie von schlechten und leichtfertigen Menschen und durch zweifelhafte Gerüchte vorgebracht wurde, Glauben schenken dürfe.
Der hl. Britius oder Brictius verursachte durch Leichtsinn und Stolz seinem Lehrer, dem hl. Martinus, manchen Kummer, bekehrte sich aber und wurde sogar dessen Nachfolger auf dem bischöfichen Stuhle von Tours um das J. 400. Durch verschiedene Anklagen kam es so weit, daß ihn das Volk aus der Stadt vertrieb; er begab sich nach Rom, verweilte dort mehrere Jahre, bis er wieder in sein Bisthum eingesetzt wurde, welches er bis zu seinem hl. Tode im J. 444 vorstand. In wieferne Lazarus durch seine Anklagen Britius Unrecht that, ist um so weniger zu ermitteln, da wir über diese Angelegenheit von dem Turiner-Concil aus dem J. 401 keine Notiz mehr besitzen. ↩
Das Schicksal der Bischöfe Lazarus und Heros hieng mit dem ihres Beschützers Constantinus zusammen; Dieser, von den Soldaten in Britannien im J. 407 zum Imperator ansgerufen, bemächtigte sich Britanniens, Galliens und Spaniens, erwählte Arles zz seinem Sitze, setzte jene zwei ihm befreundeten Männer, wie begreiflich, gegen den Willen des Volkes, zu Bischöfen ein, wurde aber im J. 411 bei Arles von den Heerführern des Kaisers Honorius, Constantius undUlphilas, besiegt und bald darauf hingerichtet. Mit dem Falle ihres Gönners waren auch Lazarus und Heros dern Unwillen ihrer Gemeinden gegenüber ohnmächtig. In Arles wurde der Günstling des Constantius, Patroclos, Bischof, welcher wohl Nichts unterlassen haben dürfte, seinen Vorgänger zu verkleinern. Dadurch, daß der bischöfliche Stuhl ein mit unschuldigem Blute befleckter genannt wird, ist wohl auf die von Constantinus befohlene, von Lazarus vielleicht entschuldigte Ermordung des Venerianus und Didymius, zweier Verwandten des Kaisers Honorius, im J. 409 hingewiesen. ↩
D. i. Pelagius, welchen auch Orosius einen Laien nennt. ↩
Gegen die hier erhobene Anklage, lazarus und Heros hätten ihre Beschuldigungen gegen Pelagus erdichtet, vertheidigt sie Orosius, wenn er sagt, sie hätten verschiedene anstößige Schriften des Pelagius gefunden und diese mit einem Schreiben an die Bischöfe Africas gesendet. ↩
Vgl. den Brief der 5 Bischöfe an d. P. Innocentius in Num. 6. S. 145. ↩
