XVI. Kapitel: Die Ankunft Christi war von den Propheten vorhergesagt und sie erfolgte zur Vernichtung der Götzenbilder und der Städte der Götzendiener.
Inhaltsangabe:
1. Die Leiden Christi, seine Menschwerdung und die Zeit seiner Ankunft waren vorhergesagt; klar war auch der Grund seiner Menschwerdung: das Unrecht sollte getilgt, das Recht gebracht, die Frommen von der Bedrückung durch die Gottlosen befreit werden. 2. Memphis und Babylon, in denen die Gerechten hart verfolgt wurden, sind auch gebührend bestraft worden, wie ich aus eigener Anschauung weiß. 3. Memphis ist verödet, in dem Moses durch sein Gebet seine herrlichen Siege über Pharao erfochten hat.
Doch sein Leiden war von den Propheten schon vorherverkündet worden, vorherverkündet war auch seine Geburt dem Fleische nach, vorhergesagt auch die Zeit seiner Menschwerdung, klar auch die Ursache S. 241seiner Fleischwerdung1 ; es sollten die Ausgeburten der Ungerechtigkeit und Zügellosigkeit, die den Werken und Sitten der Gerechten Schimpf antaten, ausgerottet werden und der ganze Erdkreis Einsicht und Besonnenheit erhalten, wenn einmal das von dem Heiland verkündete Gesetz fast in aller Herzen festgewurzelt, die Gottesverehrung erstarkt und der Götzendienst vertilgt sei, durch den nicht nur das Schlachten unvernünftiger Tiere, sondern auch das Hinopfern von Menschen und fluchwürdige Besudelung der Altäre ersonnen wurde, da man nach den ägyptischen und assyrischen Gesetzen den aus Erz getriebenen oder auch aus Ton gebildeten Götzenbildern unschuldige Leben schlachtete. Darum haben auch die gebührende Frucht für solchen Götzendienst Memphis und Babylon2 erhalten, die mitsamt ihren vaterländischen Göttern verödet und unbewohnt gelassen wurden. Und dies sage ich nicht, weil ich es bloß gehört habe, sondern selbst bin ich dort gewesen und habe mit eigenen Augen das elende Geschick dieser Städte gesehen3 . Memphis war vereinsamt, in S. 242dem Moses nach dem göttlichen Geheiß den Übermut des damals so mächtigen Pharao gebrochen; sein Heer, das über so viele und so große Völker siegreich gekämpft hatte und durch seine treffliche Ausrüstung wohl geschützt war, hat er nicht mit Bogen und Pfeilen oder mit Wurfspeeren, sondern einzig durch sein heiliges und ruhiges Flehen vernichtet4 .
Damit das Ärgernis des Kreuzes noch mehr beseitigt werde, wird darauf hingewiesen, daß das Leiden Christi schon vorhergesagt war; ebenso war die Menschwerdung und die Zeit und der Grund der Menschwerdung vorherverkündet Die Zeit der Menschwerdung ist erwähnt, um dem Einwand vorzubeugen, der Sohn Gottes hätte dem Unheil ja schon längst steuern sollen; was sie veranlaßt hat, ist im Vorhergehenden schon gesagt und wird hier noch eigens betont, damit an Beispielen gezeigt werden kann, wie groß das Unheil geworden war, daß Christus auch vor seinem Erscheinen den Gerechten hilfreich beigestanden und hochherzige Geduld immer siegreich geblieben ist. ↩
Babylon kann nicht Hauptstadt der Assyrier genannt werden; es ist hier wie im folgenden Kapitel bei Assyrien an Babylonien zu denken. ↩
Eine eigentliche Ruine war Memphis, das noch um 1000 n. Chr. bestand, zur Zeit Konstantins noch nicht, wiewohl es seine alte Größe sohon längst verloren hatte und wohl mit Recht als verödet bezeichnet werden konnte. Als Diokletian 296 einen Feldzug nach Ägypten unternahm, war Konstantin in seiner Begleitung; hernach zog der Kaiser dem Cäsar Galenus entgegen, der die Perser geschlagen hatte und eben in Friedensunterhandlungen mit ihnen stand. Bei dieser Gelegenheit konnte Konstantin leicht die Stätten von Memphis und Babylon besuchen. ↩
Vgl. Exod. 12, 14. ↩
