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Wenn es schwere Sünde ist, Gottes Werk zu schänden, was sollen wir von jenen sagen, die Gottes Werk töten, die Menschenblut vergießen, die das Leben, das Gott geschenkt hat, vernichten, die sprechen: „Laßt und den Gerechten aus dem Weg räumen; denn er ist uns unnütz“? Trefflich heißt es darum in der heutigen Lesung: „Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels Nester, wo sie ruhen, der Sohn des Menschen aber hat nicht, wo er sein Haupt niederlege“. Der Fuchs kann sich bergen in der Höhle, die Vögel sich schützen im Neste: für den Menschen aber ist die Höhle kein bergendes Heim, sondern eine Falle. Die Höhle aber ist der Mund des Menschen, die tiefe Höhle ist die Brust des Menschen, woselbst die verderblichen und hinterlistigen Anschläge, die bösen Gedanken hausen. Du gehst des Weges, da gräbt dir ein anderer eine Höhle. Dein Pfad führt zwischen Fallstricken, die dir deine Feinde heimlich in den Weg gelegt haben. Gib denn acht auf alles ringsum, daß du gleich dem Rehe den Schlingen, gleich dem Vogel dem Garn entfliehest! Das Reh entgeht den Schlingen mit des Auges scharfem Blick, der Vogel entrinnt dem Garn, wenn er seinen Flug aufwärts zur Höhe richtet und über den irdischen Bereich hinausfliegt. Denn in der Höhe spannt niemand Netze aus, legt niemand heimliche Schlinge. Wessen Wandel darum in der Höhe ist, pflegt nicht gefangen eine Beute zu werden. Doch was Wunder, wenn Mensch den Menschen trügt? Hatte doch der Menschensohn nicht einmal, wo er hätte ausruhen S. 271 können. Er schuf freilich einen solchen Menschen, daß er in ihm sein Haupt niederlege. Doch nachdem unsere Brust statt Ruhestätte für den Nächsten eine [Räuber] Höhle zu werden begann, nachdem einer dem anderen statt zu helfen, wie sich's gehörte, Nachstellungen zu bereiten anfing, wandte Christus sein Haupt von uns ab. Doch nachher freilich wollte er es für uns lieber dem Tode weihen. So sei denn nicht hinterlistig, grausam, unmenschlich, damit Christus in dir sein Haupt zur Ruhe lege!
