1.
[Forts. v. S. 68 ] Ratsam, nützlich und wichtig ist die Übung des Fastens und die Bewahrung vor Unmäßigkeit, ganz besonders, wenn man sich mit Freiheit und Überlegung dazu entschließt und richtig erkennt, welchen Gewinn die Beobachtung des Fastens bringt. Solche, welche dasselbe nicht beobachten, müssen aber aus den (sichtlichen) Dingen erkennen, wie rein die Mäßigkeit macht und wie verderblich die Überfüllung des Leibes wirkt. Man weiß (ja), daß, wie trockene Felder keine verschiedenartigen1 Pflanzen treiben, so auch der abgehärtete, ausgetrocknete Leib keine unreine Gedanken anregt. Wie aber die feuchte Erde allerlei Kräuter (mächtig) hervortreibt (und trägt), so erregt auch das Fleisch beständig unreine Gedanken, wenn es durch reichliche Speisen verzärtelt ist; ja, die feuchte Erde zeitigt Würmer, und ein gefräßiger Bauch die Laster der Unlauterkeit. (Denn) Wer an Leckerbissen sich ergötzt, läßt auch seinen Gedanken freien Lauf; wer sich dagegen mit etwas wenig Nahrung begnügt, der beherzigt die Qual des Hungers; ein fetter Leib bringt keine guten Gedanken hervor, dagegen das Fasten bedeckt die Sinne des Leibes mit einem Mantel (Hülle). Wer dem Bauche frönt, kann unmöglich ein treuer Diener Gottes sein. Solche dagegen, die durch Fasten sich vergeistigen (verfeinern) und sich läutern, diese läutern sich nicht allein von den Befleckungen und der Sündhaftigkeit, sondern führen den heiligen Gott selber in die Wohnung ihrer Seele ein.
Nach der Textverbesserung bei M. Schmid a. a. O. S. 36. ↩
