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Was wäre der Mensch ohne das Haupt, da doch das Haupt sein ganzes Ich widerspiegelt! Siehst du das Haupt, erkennst du den Menschen; fehlt das Haupt, ist ein Erkennen unmöglich: der Rumpf liegt da, nichts verrät den Adel, die Stellung, den Namen. Nur das Haupt der Fürsten, aus Erz gegossen, und deren Gesichtszüge, aus Erz oder Marmor geformt, erfreuen sich der Huldigung der Menschen. Nicht mit Unrecht sind daher dem Haupte die übrigen Glieder wie ihrem obersten Berater dienstbar, führen es, gleich Sklaven mit der Tragbahre, wie ihren Genius herum und tragen es hoch erhoben hier und dorthin. Mit der Gewalt des S. 281 Zensors bestimmt es nach Belieben den Dienst der unterwürfigen Glieder und teilt jedem die ihm vorgeschriebenen Funktionen zu.Da kann man alle freiwillig ohne Sold im Dienste ihres Herrschers sich mühen sehen, die einen als Lastträger, die anderen als Proviantbesorger, wieder andere als Verteidiger oder als Vollstrecker des ihnen obliegenden Dienstes. Sie gehorchen dem Haupte als ihrem Herrscher, dienen ihm als ihrem Herrn. Von da ergeht gleichsam die Parole, nach welchem Gelände der Fuß schreiten, welche Kampfesarbeit die Hand zur Vollbringung vollkommener Werke verrichten, an welche Norm des ihm auferlegten Sittengesetzes der Bauch sich halten solle, ob er fasten oder essen solle.
