71.
S. 290 Der Milz ferner kommt die Nachbaraschaft der Leber zunutze. Sie scheidet nämlich bei Aufnahme der Nahrungsstoffe alle unreinen Bestandteile, auf die sie stößt, aus; so können durch die feineren Poren der Leber nur jene zarten und winzigen Speiseteile hindurchdringen, die sich in Blut überführen lassen und zur Kräftigung dienen, nicht aber mit den Exkrementen des Darmes ausgeschieden werden.
Die Windungen der Gedärme aber, die ineinander geschlungen dennoch keineswegs sich verknüpfen: wovon anders zeugen sie als von der Fürsorge des Schöpfers? Es soll die genossene Speise nicht zu rasch abgehen und sogleich aus dem Magen austreten. Wäre nämlich das der Fall, würde ständiger Hunger und fortwährende Eßgier beim Menschen sich einstellen. Sobald mit dem augenblicklichen Abgange der Speisen die Gedärme vollständig entleert wären, würde ein unstillbares und unersättliches Verlangen nach Speise und Trank die notwendige Folge sein, dem ohne Zweifel ein sofortiger Tod folgen müßte. Vorsorglich wird darum die genossene Speise erst in der oberen Bauchhöhle verdaut, sodann in der Leber zersetzt. Durch deren Wärme ausgesondert, teilt sich ihr Saft den übrigen Körperteilen mit; er wird der Nährstoff für die menschlichen Glieder, den junge Leute zum Wachstum, alte zur Selbsterhaltung aufnehmen. Die übrigen Stoffe aber werden durch die Gedärme weiter befördert und durch jene „Öffnung an der Rückseite“ ausgeschieden.
