21. Doch die Weisheit hat ihm beigestanden, die auch nach den Irrlehrern Christus ist.
Doch damit dir keine Freiheit zur Lüge bleibe, widerspricht dir die Weisheit, die du selbst als Christus bekannt hast, und zwar mit ihrem Wort: „Als er bestimmte Quellen unter dem Himmel anlegte, als er die starken Grundfesten der Erde schuf, war ich bei ihm und entwarf. Täglich aber freute ich mich vor seinem Blick, zu S. 192 jeder Zeit, da er froh war über die Vollendung der Welt und froh über die Menschenkinder.”1
(Damit) ist jegliche Möglichkeit (einer Mißdeutung) ausgeschlossen, und jegliche Irrlehre wird zum Bekenntnis der Wahrheit (geradezu) hingedrängt. Die vor den Zeiten gezeugte Weisheit steht Gott zur Seite. Ja nicht nur zur Seite, sondern entwirft sogar. Sie legt also Entwürfe vor und ist so bei ihm. Bedenke die Bedeutung eines Entwurfes oder einer (kunstgerechten) Anordnung! Denn der Vater wirkt dadurch, daß er spricht; der Sohn stellt her, indem er das Befohlene verwirklicht.
Der Person-unterschied ist aber in der Weise gewahrt, daß das Werk auf jeden bezogen wird. Denn dadurch, daß gesagt wird: „Wir wollen erschaffen”, wird Befehl und Ausführung auf gleiche Stufe gestellt;2 damit aber, daß berichtet wird: „Ich war bei ihm und entwarf”,3 zeigt er klar, daß er beim Vollzug der Handlung für sich nicht allein war. Sie aber freut sich vor ihm, der, wie sie stolz verkündet, an ihrer Freude frohen Anteil nimmt. „Täglich aber freute ich mich vor seinem Blick, zu jeder Zeit, (damals) als er froh war über die Vollendung der Welt und froh über die Menschenkinder.”
Den Grund ihrer Freude hat die Weisheit wohl bezeichnet. Sie freut sich wegen der Freude des Vaters, der froh ist über die Vollendung der Welt und froh über die Menschenkinder. Denn es ist geschrieben: „Gott sah, daß es gut ist.”4 Sie freut sich über das Wohlgefallen des Vaters an ihren Werken, die von ihr auf seinen Befehl hin vollendet wurden. Denn sie leitet den Ursprung ihrer Freude gerade davon her, daß der Vater über die Vollendung der Welt und über die Menschenkinder froh sei: „Über die Menschenkinder” deswegen, weil er in dem einen Adam schon jeglichen Anfang des Menschengeschlechtes grundgelegt hatte.
S. 193 Nicht also spricht der Vater als Vereinzelter zu sich bei der Erschaffung der Welt, da seine Weisheit sie mit ihm sowohl wirkt als auch nach vollendetem Werk sich freut.
