Einleitung
Durch den jungen Offizier Antonius, der als Pilger ins Heilige Land gekommen war, übermittelt Hieronymus dessen Bruder, seinem außergewöhnlich begüterten S. b67 Landsmann Julian, einen Trostbrief. Schwere Schicksalsschlage hatten ihn heimgesucht. Innerhalb weniger Tage verlor er zwei Töchter durch den Tod, denen bald darauf die Gattin in die Ewigkeit nachfolgte. Durch feindliche Einfälle hatte er einen großen Teil seines Vermögens verloren, ohne damit einen wesentlichen Verlust zu erleiden. Auch innerhalb der Familie gab es Leid, das der Schwiegersohn verursachte. Hieronymus tröstet Julian unter Hinweis auf den Dulder Job. Ja, er fordert ihn auf, sich nicht darauf zu beschränken, mit seinem Vermögen Gutes zu tun und Klöster und Mönche zu unterhalten. Nein, er soll wie andere Vertreter des römischen Adels, Pammachius und Paulinus von Nola, auf das Ganze gehen und der Welt völlig entsagen.
Der Hinweis auf diese beiden Männer läßt uns die Zeit insofern festsetzen, als der Brief nicht vor dem Tode Paulinas, der Gattin des Pammachius († 398) 1 und nicht, da er hier noch Priester genannt wird, nach der Erhebung Paulins zum Bischof von Nola (409) geschrieben sein kann. Im Anschluß an Vallarsi erblickt man im Einfall der Barbaren den Kriegszug des Radagais gegen Dalmatien i. J. 405, unter dem zweiten Konsulat des Stilicho und des Anthemius, so daß der Brief etwa 406 verfaßt sein wird. 2
Pammachius hatte sich erst nach dem Tode seiner Gattin dem monastischen Leben zugewandt (vgl. ep. 66, 4 ff. ad Pamm.; BKV XV 152 ff.). ↩
Pronberger (72 f.) entscheidet sich für die Jahre 399/400. Er denkt, was an sich möglich ist, an einen der vielen Plünderungszüge, welche damals die einzelnen Gebiete heimsuchten. Auch hält er es nach der ep. 85 ad Paulinum (nach 399) für unmöglich, daß Hieronymus den Paulinus so rühmend hervorhebt, wie es unser Brief tut. Mit dieser Vermutung dürfte Pronberger kaum das Richtige treffen. ↩
