Text
Vor kurzem erhielt ich das Schreiben Deiner Heiligkeit, welches mit dem bisherigen Schweigen Schluß macht und mich zum weiteren brieflichen Verkehr, wie bisher, aufmuntert. Obwohl ich nun nach dem Briefe, den die heiligen Brüder Priscus und Eubulus mir überbrachten, kein Lebenszeichen mehr von Dir erhielt, so S. b396 will ich doch einige wenige Zeilen an Dich richten, weil ich gesehen habe, wie beide voll Eifers für den Glauben ganz Palästina wie im Fluge durchwanderten und die allenthalben zerstreuten Nattern bis in ihre Schlupfwinkel verfolgten. Es frohlockt die ganze Welt und freut sich Deines Sieges. Frohen Sinnes schauen die Völker hinauf zur Fahne, die in Alexandria wieder gehißt wurde als Wahrzeichen des im Kampfe gegen die Irrlehre errungenen Sieges. Heil Deinem Mute! Heil Deinem Glaubenseifer! Du hast kundgetan, daß Dein bisheriges Schweigen weise Vorsicht war, kein Einverständnis. Trotz Deiner hohen Stellung darf ich ja frei mich äußern. Deine allzuweit gehende Geduld schmerzte uns. Wir kannten nur eine Sehnsucht, den Untergang der Bösewichter, jedoch des Meisters Maßnahmen begriffen wir nicht. Aber Du hattest schon längst die Hand zum Schlage erhoben und nur deshalb gezögert, um nachher desto wuchtiger zu treffen. Was die Aufnahme einer gewissen Person in die kirchliche Gemeinschaft angeht, brauchst Du Dir wegen des Bischofs dieser Stadt keine Sorge zu machen. 1 In Deinem Briefe hattest Du keine Anweisung gegeben, und so wäre es verwegen gewesen, ohne Kenntnis des Tatbestandes ein Urteil zu fällen. Im übrigen glaube ich, daß er weder die Kühnheit noch den Willen hat, Dich irgendwie zu verletzen.
Johannes von Jerusalem scheint einen vor Theophilus geflüchteten Origenisten aufgenommen zu haben. ↩
