VII.
1. Doch unsere Vorfahren -- ich möchte mir erlauben, auf einen Augenblick für meine Person zurückzutreten und so einen etwaigen Irrtum entschuldbarer machen -- haben sich nicht ohne Grund auf die Beobachtung der Augurien, Befragen der Eingeweide, Anordnungen religiöser Einrichtungen oder Einweihung von Tempeln verlegt. 2. Prüfe nur die Geschichte, wie sie in den Büchern enthalten ist, und du wirst sofort finden, wie sie die heiligen Gebräuche aller Religionen eingeführt haben; es sollte damit entweder für göttliche Huld Dank abgestattet oder drohender Zorn abgewandt oder ein solcher, wenn er bereits anschwoll und wütete, beschwichtigt werden. 3. Das bezeugt die Mutter vom Ida, welche bei ihrer Ankunft der Römerin ihre Keuschheit bestätigt und die Stadt von Feindeshand befreit hat. Zeugen sind die im Teich, so wie sich gezeigt, S. 145 aufgestellten Statuen des berittenen Bruderpaares, welches atemlos auf schäumenden und dampfenden Rossen noch am gleichen Tag den Sieg über Perseus gemeldet hat. Zeuge ist die Wiederholung der Spiele zu Ehren des erzürnten Jupiter auf den Traum des Plebejers hin. Ebenso zeugt dafür die wirksame religiöse Hinopferung der Decier; Zeuge ist auch Curtius , welcher durch die Körpermasse von Roß und Reiter oder durch die Ehrenspende die tiefe Erdspalte ausfüllte. 4. Öfter sogar, als wir wollten, haben verschmähte Auspizien der Götter Gegenwart erwiesen. So ist Allia ein Unglücksname geworden, so erlebten Claudius und Junius statt einer Schlacht gegen die S. 146 Punier einen mörderischen Schiffbruch. Um den Trasimenersee durch Römerblut zu schwellen und zu färben, verachtete Flaminius die Augurien und um von den Parthern die Feldzeichen zurückfordern zu müssen, verdiente und verspottete Crassus die Unheilsdrohungen. 5. Ich übergehe die vielen Beispiele aus alter Zeit und schweige über die Lieder der Dichter auf die Geburtsfeste, Gaben und Geschenke der Götter, eile auch weg über die Weissagungen der Orakel; sonst könnte euch das Altertum als allzu fabelreich erscheinen. Aber schaue nur auf die Tempel und Heiligtümer der Götter, welche die Stadt Rom schützen und schmücken: sie sind mehr noch erhaben durch die Gottheiten, welche dort wohnen und gegenwärtig sind, als reich an äußerem Schmuck, Zierraten und Weihegeschenken. 6. Daher erhalten dort die Seher, von der Gottheit erfüllt und durchdrungen, Aufschluß über die Zukunft, bieten Vorsichtsmaßregeln für die Gefahren, Heilmittel für die Krankheiten, Hoffnung für die Bedrängten, Hilfe für die Unglücklichen, Trost für Leiden, Erleichterung in Mühseligkeiten. Sogar während der Nachtruhe sehen, hören, erkennen wir die Götter, welche wir am Tage gottlos leugnen, verschmähen und meineidig zu Zeugen anrufen.
