X.
1. Vieles übergehe ich absichtlich. Dies allein schon ist mehr als genug und eben die Heimlichtuerei dieser verwerflichen Religion erweist all das oder so ziemlich alles als richtig. 2. Denn warum suchen sie so angelegentlich den Gegenstand ihrer Verehrung, wie er nun beschaffen sein mag, geheimzuhalten und zu verbergen? Freut sich nicht das Gute stets der Öffentlichkeit, während das Laster sich versteckt? Weshalb sonst hätten sie keine Altäre, keine Tempel, keine bekannten Götterbilder; warum reden sie nicht öffentlich, versammeln sich niemals ungescheut? Weil eben der Gegenstand ihrer Verehrung und Verheimlichung strafbar oder schändlich ist. 3. Woher aber stammt und wer ist und wo ist jener einzigartige, alleinstehende, S. 151 verlassene Gott, welchen keine Republik, kein Königreich, nicht einmal die Religion der Römer kennt? 4. Nur das elende Judenvölkchen hat auch bloß einen Gott verehrt, jedoch öffentlich mit Tempeln, Altären, Opfern und Zeremonien. Aber seine Gewalt und Macht war so klein, daß er samt seinem Volk der Gefangene der Römer, also von Menschen, ist. 5. Doch welche Ungeheuerlichkeiten und Mißgestalten schafft erst die Phantasie der Christen! Ihren Gott kann man weder zeigen noch sehen und doch soll er die Sitten, Handlungen, Worte, ja sogar die geheimen Gedanken aller genau erforschen. Er muß also bald dahin bald dorthin eilen und überall gegenwärtig sein. So machen sie aus ihm einen Plage- und Wandergeist, der zudem unverschämt neugierig ist, wenn er wirklich bei allen Handlungen zugegen sein soll und allerorts umherschweift. Und doch kann er sich weder mit den einzelnen Dingen abgeben, wenn er auf das Ganze seine Tätigkeit ausdehnt, noch dem Ganzen genügen, wenn er sich in das Einzelne verliert.
