II.
1. Geschäftshalber und um mich zu besuchen war er nach Rom gereist, Haus, Frau und Kinder zurücklassend. Letztere standen dazu noch in den Jahren der Unschuld, wo die Kinder am liebenswürdigsten sind; eben erst versuchten sie halbe Worte, eine Sprache, die gerade durch die abgerissenen Laute der noch ungelenken Zunge ihre besondere Anmut besitzt. 2. Ich kann es nicht mit Worten ausdrücken, welch große, unbändige Freude seine Ankunft mir gemacht, und die Freude war um so größer, weil mein lieber Freund unvermutet kam.
3. Bereits hatten wir nun einige Tage lang bei häufigem Zusammensein unsere heiße Sehnsucht befriedigt und gegenseitige Erfahrungen während unserer Trennung miteinander ausgetauscht, da faßten wir den Entschluß, die entzückende Stadt Ostial aufzusuchen. Die Seebäder gaben ein gutes und zuträgliches Kurmittel ab, um aus meinem Körper schädliche Säfte zu beseitigen. Zudem hatten auch die Weinleseferien meine gegerichtlichen Arbeiten erleichtert; es war nämlich gerade die Zeit, wo Herbstwetter nach den heißen Tagen die Sommerhitze gemildert hatte.
4. Beim Morgengrauen wandelten wir dem Flußufer entlang zum Meere; der milde Lufthauch belebte unsere Glieder und es bereitete uns einen köstlichen Genuß, wie der sandige Boden unsern weichen Tritten nachgab. Da bemerkte Caecilius eine Serapis-Statue. Er führte nach der Sitte des abergläubischen S. 137 Volkes seine Hand zum Munde und drückte mit den Lippen einen Kuß darauf.
