22. Christus hat uns den Vater als Vater, nicht als Schöpfer kundgemacht.
S. 161 Der Sohn sagte: „Vater, kundgetan habe ich den Menschen deinen Namen.”1 Was mäkeln wir daran herum? Wozu brausen wir auf? Leugnest du (etwa) den Vater? Dem galt aber doch des Sohnes größte Bemühung, daß wir den Vater erkennten. Du leugnest ihn vollständig, da ja nach deiner Lehre der Sohn nicht aus ihm geboren ist. Und warum soll er (denn) Sohn heißen, wenn er wie die übrigen (Lebewesen) nach Willen und Belieben geworden ist?2 (Zwar) kann ich Gott als Schöpfer des Weltbegründers Christus bewundern; und eine Gottes würdige machtvolle Betätigung ist es, daß er (ihn) zum Bildner der Erzengel und Engel, des Sichtbaren und Unsichtbaren, des Himmels und der Erde und dieser gesamten Schöpfung gebildet hat. Doch nicht darauf zielt die Bemühung des Herrn ab, daß du wahrnehmen sollest, Gott sei allmächtig in seiner Schöpfertätigkeit; sondern daß du wissest, Gott sei der Vater eben desjenigen Sohnes, der spricht.
Mehr als ein machtvolles Wesen gibt es im Himmel, das wirksam und ewig ist; aber es gibt (nur) einen einzigen eingeborenen Sohn; er unterscheidet sich von den übrigen nicht nur (dem Ausmaß) der Macht3 nach; denn durch ihn hat alles sein Dasein.4 Doch weil er in Wahrheit der einzige Sohn ist, so soll er nicht dadurch herabgewürdigt werden, daß er aus dem Nichts geworden sei. Du hörst: „Sohn”; glaube (also), daß er Sohn ist! Du hörst: „Vater”; glaube (also), daß er Vater ist!
Mit welchem Recht untermengst du diese Namen mit Argwohn, Bosheit, Dreistigkeit? Gemäß der Einsicht in ihr Wesen sind die Namen den göttlichen Beziehungen S. 162 angeglichen. Mit welchem Recht tust du der Wahrheit der Worte Gewalt an? Du hörst: „Vater und Sohn”; zweifele nicht am Dasein derer, die so genannt werden!
Letzter Sinn der Heilsveranstaltung des Sohnes ist, die Erkenntnis des Vaters zu lehren; mit welchem Recht machst du zuschanden die Bemühung der Propheten, die Menschwerdung des Wortes, die Geburt aus der Jungfrau, das Wunderbare seiner Taten, das Kreuz Christi? Deinetwegen wurde das alles gewirkt, deinetwegen gewährt, damit dir dadurch der Vater und der Sohn offenbar seien. Du unterschiebst jetzt einen (Zeugungs-) willen, eine Schöpfung, eine Sohnesannahme: sieh hin auf Christi Dienst und Leistung! Denn er verkündet es laut: „Vater, kundgetan habe ich den Menschen deinen Namen;” nicht hörst du: den Schöpfer der Himmel hast du erschaffen; nicht hörst du: den Bildner der Erde hast du gebildet; du hörst vielmehr: „Vater, kundgetan habe ich den Menschen deinen Namen.”
Mach dir das Geschenk deines Erlösers zu eigen: wisse, daß Vater sei, wer zeugte; daß Sohn sei, wer geboren wurde; geboren in der Wirklichkeit des Wesens aus dem Vater, der da ist.5 Denke daran, daß dir nicht der Vater als Gott kundgemacht sei, sondern daß Gott kundgemacht sei als Vater!
