14. Wie die Ehrsucht durch Einflüsterungen zur Erstrebung der priesterlichen Würde veranlaßt.
Zuweilen aber flößt diese Leidenschaft dem Mönche das Verlangen nach der geistlichen Würde und den Wunsch nach der Priesterweihe oder dem Diakonate ein. Wenn er es sogar gegen seinen Willen erhalten hat, so entwirft er ein solches Bild von der Heiligkeit und Strenge, womit er dieses Amt ausüben will, daß er auch den übrigen Priestern Beispiele der Heiligkeit geben könne. Dann glaubt er Viele nicht durch das Vorbild seines Wandels, sondern auch durch seine Lehre und Predigt zu gewinnen. Er läßt sich, wenn er in der Einöde oder Zelle weilt, im Geiste und in der Vorstellung die Wohnungen verschiedener Brüder und verschiedener Klöster besuchen und die Bekehrung gar vieler Leute durch seine eingebildeten Ermahnungsreden erwirken. So ist es nun um die unglückliche Seele geschehen, die durch eine solche Eitelkeit gleichsam in den tiefsten Schlaf gesunken ist und gewöhnlich durch die Anmuth derartiger Einbildungen verlockt und mit solchen Bildern erfüllt nicht einmal auf ihr gegenwärtiges Thun und ihre Mitbrüder ihr Auge zu richten vermag, während sie ihre Freude darin findet, sich in die Gedanken, von denen sie in ihrer Zerstreuung mit S. 236 offenen Augen träumt, wie in wirkliche und wahre zu vertiefen.
