1.
Heute morgen, um die dritte Tagesstunde etwa, hatten wir angefangen, den 72. Psalm, den ersten Psalm des dritten Buches, 1 zusammen zu lesen. Ich glaubte mich verpflichtet, darauf aufmerksam zu machen, daß seine Überschrift teilweise zum Ende des zweiten Buches gehört, während nur das letzte Stück den Anfang des dritten Buches bildet. Die Worte: „Es endigen die Lieder Davids, des Sohnes Jesses“, 2 sind der Abschluß des zweiten Buches, während das folgende Buch mit den Worten: „Ein Psalm Asaphs“ 3 beginnt. Wir waren gerade zu der Stelle gelangt, an welcher der Gerechte spricht: „Ich dachte bei mir selbst: Wenn ich so rede, dann habe ich das Geschlecht deiner Kinder verworfen“, 4 eine Stelle, die in den lateinischen Handschriften einen anderen Wortlaut hat. Da wurde uns unvermutet die Nachricht hinterbracht, daß unsere fromme und heiligmäßige Lea aus dem Leben geschieden sei. In diesem Augenblicke sah ich Dich so sehr erblassen, daß es mir klar wurde, es gibt nur selten oder nie eine Seele, die ohne Betrübnis sich aus dem zerbrochenen irdischen Gefäße freimacht. Nicht etwa die Unsicherheit über ihr zukünftiges Los war Deines Schmerzes Ursache, sondern es tat Dir leid, daß Du nicht einmal am Begräbnis teilnehmen und ihr damit den letzten traurigen Liebesdienst hattest erweisen können. Mitten in unsere weitere Unterhaltung drang nämlich die Kunde, daß ihre sterblichen Reste bereits nach Ostia überführt worden waren. S. b9
Die Hebräer teilten das Buch der Psalmen in fünf Bücher ein: Ps. 1—40; 41—71; 72—88; 89—105; 106—150. Jedes Buch schließt mit einem zweifachen Amen (vgl. ep. 140, 4 ad Cyprianum). Freilich setzt sich Hieronymus einige Jahre später in dem an Sophronius gerichteten Vorwort zu seiner Psalmenübersetzung aus dem Hebräischen (vor 392) im Gegensatz zu den Hebräern für die Einheit des Psalters ein (M PL XXVIII 1183 f.). ↩
Ps. 71, 20. ↩
Ebd. 72, 1. ↩
Ebd. 72, 15. ↩
