3.
Jetzt genießt sie für ihre kurze Lebensmühe die ewige Glückseligkeit. Die Chöre der Engel nehmen sie in Empfang. Sie ruht in Abrahams Schoß, und mit dem armen Lazarus erblickt sie den reichen in Purpur gekleideten Konsul, freilich nicht angetan mit dem Gewande des Triumphators, sondern dem ewigen Verderben geweiht. Sie sieht ihn lechzen nach einem Wassertropfen, gereicht von ihrem kleinen Finger. 1 Wie doch die Dinge sich ändern! Noch vor wenigen Tagen standen ihm die höchsten Würden in Aussicht. Wie ein Triumphator nach seinem Sieg über die Feinde stieg er hinauf zur Burg des Kapitols. Mit Beifall und Jauchzen überschüttete ihn noch eben das Volk Roms, als die überraschende Nachricht von seinem Tode die ganze Stadt erschreckte. Und jetzt ist er einsam und verlassen, nicht im glänzenden Götterpalaste, 2 wie seine unglückliche Gattin 3 sich vortäuscht, sondern in Schmutz und Finsternis. Sie aber, die im Schutz ihres verborgenen Kämmerleins lebte, die arm und abgezehrt schien, die ein Leben führte, das man für töricht hielt, 4 folgt Christus und spricht: „Alles, was wir gehört haben, das bekamen wir zu sehen in der Stadt unseres Gottes.“ 5
Luk. 16, 19 ff. ↩
„Non in lacteo coeli palatio continetur“. Nach römischer Auffassung waren die Wohnungen derer, welche unter die Götter versetzt wurden, in der Milchstraße, an der auch der Palast des Jupiter, der in milchfarbigem Glanze erstrahlte, erbaut war (vgl. Martianus Capella, De nuptiis philologiae et Mercurii II 97. 207 f.). ↩
Paulina, Priesterin der Ceres. ↩
Weish. 5, 4. ↩
Ps. 47, 9. ↩
