31.
Doch du mache mir die Tugend beneidenswerth, wenn sie auch mit Armuth gepaart ist. Dir entgehe nicht eines Mannes Weisheit und Gerechtigkeit und der übrige Schwarm geistiger Güter unter schlechtem Gewande verborgen; sondern ziehe ihn hervor und würdige die Tugend der Oeffentlichkeit, da ihr nicht ziemt, zu Hause zu sitzen, sondern im Freien und im Kampfe zu verweilen. Sei versichert: du wirst als Herold jene für den Augenblick ausrufen; der Ausgerufene aber wirst du auf immer selbst seyn, ein Muster gottseliger Regierung der Nachwelt hinterlassend. Wenn du es so machst, so wirst du bald sehen, daß sich viele des erworbenen Reichthums schämen, und andere mit freiwilliger Armuth sich zieren. Auch wird man die Meinungen, die man jetzt von ihm hat, ablegen, weil es für Schande gilt, Reichthum zu sammeln, und Ansehen verschafft, Armuth zu bewahren; denn unter dem vielen Beneidenswerthen und Seligen, das Gott dem Königthume verliehen, durfte man nicht minder, ja vor allem bewundern an ihm und preisen die Kraft, die es auf die S. 115 Gemüther der Unterthanen äußert: daß der König die durch alte Gewohnheit und durch die erste Erziehung eingewurzelte Meinung von der Sitte ändert, dadurch, daß er offenbar das Gegentheil ehrt und am höchsten schätzt; denn worüber ein König sich freut, das muß bald gedeihen und von den meisten mit Eifer betrieben werden.
