1. Die Lehrformel des Callistus gegen den Patripassionismus und Ditheismus,
wie sie Hagemann1von den Entstellungen des Hippolyt gereinigt zusammengestellt, enthält solgende 4 Puncte:
1. Vater und Sohn sind gleich ewig. Der Vater ist nicht ohne den Sohn, der Sohn nicht ohne den Vater. Die entgegengesetzte Lehre, daß im Anfange Gott der Vater allein war ohne irgend Etwas, das ihm gleichzeitig war, und daß er erst, als er wollte und wie er wollte, den Logos aus seinem Innern als eigene Person zum Zwecke der Weltschöpfung äusserlich hervortreten ließ, diese Trennung und Unterordnung des Logos unter das im Vater beschlossene ganze Wesen der Gottheit ist Ditheismus. Auch darf man nicht Logos und Sohn so unterscheiden, als wäre Jener erst durch die Geburt aus der Jungfrau Sohn geworden und daher nur in Beziehung auf seine künftige Geburt so genannt worden. Logos und Sohn sind identisch. S. 312
2. Vater und Sohn sind aber nicht zwei Götter, sondern sind wesensgleich und zusammen e i n Gott. Gott nemlich ist Geist (Job. 4, 24); also der Vater wie der Sohn ist Geist. Der Vater ist nicht ein anderer Geist wie der Sohn. Beide sind mithin ein und dasselbe, ein untrennbarer Geist. Denn im Begriffe Geist liegt, daß er überall ganz, in seiner ganzen Fülle gegenwärtig ist. Der Vater ist also ganz im Sohne, der Sohn ganz im Vater. Die Lehre dagegen, nach welcher der Logos bloß ein Ausfluß aus der Gottheit und ein selbstständig gewordener Theil derselben ist, nur mit Beziehung auf die Welt mit Schöpferkraft ausgerüstet, ist ditheistisch, wie die Lehre eines Valentinus und Marcion, welche den einen Gott auseinanderreissen in zwei Götter, von denen der erste Gott in der ganzen Vollkommenheit des göttlichen Wesens und von der Welt abgewendet in sich selbst ruht, während der andere die Welt hervorbringt und Schöpfer ist. Gott an sich und den Schöpfer der Welt muß man in dem Begriffe eines Gottes zusammenfassen; denn auch ohne die Welt ist der Sohn Gott; der Sohn und der Vater sind der eine Gott. Das ist der Begriff der wahren Monarchie; 2die Trennung und Ablösung des Logos von dem höchsten Gott zum Zwecke der Weltschöpfung ist Ditheismus.
3. Wie bei der Schöpfung, so sind auch bei der Erlösung und Menschwerdung Vater und Sohn e i n Gott, e i n untrennbarer Geist geblieben. Denn der in der Jungfrau Fleisch gewordene Geist ist nicht ein anderer als der Geist des Vaters, sondern beide sind ein und derselbe Geist. S. 313 Christus selbst hat das zu Philippus gesagt (Joh. 4, 10 u. 11) mit den Worten: „Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist?" Scheinbar ist allerdings eine Trennung eingetreten; der sichtbare, im Fleisch erschienene, sinnlich wahrnehmbare Gott ist der Sohn; aber der Sohn ist nicht ohne den Vater, denn der im Sohne enthaltene Geist ist der Geist des Vaters; das wesentliche Band der Einheit ist zwischen ihnen nicht zerrissen. Denn niemals werde ich bekennen, daß zwei Götter sind; es ist ein Gott, auch nach der Menschwerdung. Denn das Pneuma des Sohnes, welches das Fleisch angenommen hat, dieses mit sich geeinigt und mit sich eins gemacht, dadurch aber auch aus dem Kreise des Endlichen herausgehoben. Das Fleisch des Erlösers ist nicht Fleisch eines Menschen, sondern Fleisch Gottes. Mithin da der Sohn das Fleisch zu sich emporgehoben hat, ist er auch nicht aus Verhältnisse zum Vater herausgetreten. Vater und Sohn sind daher nach wie vor ein Gott und können in dieser Einheit nicht zwei Götter sein.
4. Es ist ein Mißverständniß und gänzlich irrig, wenn man mir vorwirft, diese unzertrennliche Einheit des Vaters und des Sohnes, die nicht durch den Willen die Welt zu schaffen noch überhaupt durch ein gesondertes Hervortreten des Sohnes beeinträchtigt wird, sondern an sich schon ohne Rücksicht auf die Welt von Ewigkeit vorhanden und im Wesen Gottes gegründet ist, —diese Wesenseinheit sei gleichbedeutend mit Einheit der Person, und wenn man mir in Folge davon die Blasphemie Schuld gibt zu lehren, der Vater habe gelitten. Nicht der Vater hat gelitten, sondern der Sohn. Aber selbst hier, selbst im Leiden findet Wesenseinheit statt. Der Sohn hat nemlich im Fleisch gelitten, der Vater hat dieses Leiden des Sohnes mit empfunden, und was der Sohn als Gott und Geist gelitten, das hat der Vater in seiner geistigen Einheit mit ihm getheilt. S. 314
A.a.O. S. 126 ff. ↩
Im Gegensatze zur falschen Monarchie der Antitrinitarier, welche gegen den Dualismus der Gnostiker wohl die Einheit der göttlichen Natur vertheidigten und deßhalb für orthodox gehalten werden wollten, zugleich aber auch nur eine göttIiche Person lehrten, indem sie die Namen der drei göttlichen Personen als Bezeichnungen der verschiedenen Thätigkeit der einen göttlichen Person in der Welt erklärten. ↩
