23. Die Arianer sind ärger gegen Christus als die Juden.
Soweit es erkennbar ist, bleibt der Überwille der rasenden Köpfe, wenn auch der Erfolg ihres Willens schon schwand; wenn auch keine Gelegenheit zu böser Tat gegeben ist, so verläßt den bösartigen Sinn doch nicht das Streben nach übelwollender Betätigung.
Weil der Herr schon im Himmel thront und weil die Irrlehrer ihn nach dem Vorbild der Juden nicht zum Kreuzestod hintreiben können, so streitet doch ihr Wahn jetzt mit gleicher Ungläubigkeit es ihm ab, das zu sein, was er ist; und wenn sie auch die gesprochenen Worte nicht wegleugnen können, so betätigen sie doch in ihrem Ungehorsam gegen die Worte ihren Haß der Ungläubigkeit, werfen die Steine der Worte und würden ihn von seinem Thron wieder zum Kreuz herabziehen, wenn sie es könnten.
Die Juden gerieten über die Neuheit dieses Wortes in Erregung; über sie berichtet die Schrift: „Die Juden hoben also Steine auf, um ihn zu steinigen. Er antwortete ihnen: viele gute Werke vom Vater her habe ich euch gezeigt; wegen eines guten Werkes steinigt ihr mich? Die Juden antworteten ihm: Wegen eines guten Werkes steinigen wir dich nicht, sondern wegen der Gotteslästerung und weil du dich zu Gott machst, da du doch ein Mensch bist.”1 Du Irrlehrer aber, erfasse, was du treibst und redest; erkenne, daß du mit denen gemeinschaftliche Sache machst, deren Beispiel des Unglaubens du dir zu eigen machst! Denn auf das Wort hin: „Ich und der Vater sind eins”, hoben die Juden Steine auf; ihre gottlose Empörung war unempfänglich für das Geheimnis dieses S. 362 heilbringenden Glaubens; sie wurde entfesselt bis hin zum stürmischen Versuch gewaltsamer Tötung.
Was tust du mit deiner Leugnung weniger, der du keinen hast, den du steinigen könntest? Die Gesinnung ist nicht anders, deine Gesinnung macht nur der himmlische Thron unwirksam. Um wievieles bist du ungläubiger als der Jude! Jener hebt die Steine wider den Leib, du wider den Geist; jener gegen einen vermeintlichen Menschen, du wider Gott; jener gegen einen Erdbewohner, du gegen den Herrscher auf dem Thron der Macht; jener gegen einen Ungekannten, du gegen einen Verkündeten; jener gegen einen Sterblichen, du wider den Richter aller Zeiten. Jener sagt: „da du doch nur Mensch bist”;2 du behauptest: da du nur ein Geschöpf bist. Beide aber sagt ihr: „Du machst dich zu Gott;” das ist der gemeinsame Vorwurf eures gottlosen Mundes wider ihn. Denn du leugnest seine Gottheit aus der Zeugung Gottes, du leugnest seine Sohnschaft aus der tatsächlichen Wahrheit seiner Geburt; du leugnest dies, daß „ich und der Vater eins sind”, also das Bekenntnis an das eine und gleiche Wesen in beiden. Du unterstellst einen Gott von einem neuen und äußeren und fremdartigen Wesen, so daß er also ein andersartiger Gott oder sogar überhaupt kein Gott sei, weil er nicht aus Gott sein Dasein durch die Geburt empfangen hat.
