36. Über den Vorwurf, Gottes Wesen in Christus noch nicht erkannt zu haben.
Der Herr gab also auf die Worte des Philippus dies zurück: „Solange bin ich bei euch, und ihr habt mich nicht erkannt, Philippus?”1 Er rügt das Nichtwissen des Apostels, ihn noch nicht erkannt zu haben; hatte er doch vorher gesagt, daß mit der Erkenntnis seiner zugleich auch der Vater erkannt sei.
Aber was bedeutet es, daß er sich darüber beklagt, in so langer Zeit nicht erkannt worden zu sein? Dieses, daß, wenn man ihn erkannt hätte, man auch die Göttlichkeit des väterlichen Wesens in ihm hätte erkennen müssen. Denn das, was er tat, waren Taten, die nur Gott eigentümlich sind: über die Wogen wandern,2 den Winden befehlen3 und uneinsichtige Taten bei der Verwandlung des Weines und der Vermehrung des Brotes mit (aller) Glaubwürdigkeit an die Geschehnisse vollbringen,4 Dämonen verjagen,5 Krankheiten vertreiben,6 körperliche Schäden ausgleichen,7 Geburtsfehler beseitigen,8 S. 379 Sünden nachlassen,9 Toten das Leben wiedergeben.10 Daß dieses ein Mensch tue und deswegen sich als Sohn Gottes verkünde: daher hat die ganze Beschwerde der Klage ihren Ursprung; es werde in dem Geheimnis der menschlichen Geburt nicht erkannt, daß in dem angenommenen Menschen das göttliche Wesen dieses gewirkt habe.
