2. Von unserer Ankunft bei Abt Pinusius.
Als nun nach nicht sehr langer Zeit auch uns das Verlangen nach heiliger Belehrung antrieb, nach Ägypten zu ziehen, suchten wir ihn mit aller Liebe und Sehnsucht, und wurden auch von ihm mit solcher Freundlichkeit und Demuth aufgenommen, daß er uns als seine alten Zellengenossen auch mit dem Gastrechte in seiner eigenen Zelle, die er am äussersten Theile des Gartens erbaut hatte, belehrte. Da er nun einem Bruder, der die Klosterregel auf S. b266 sich nahm, vor der Versammlung aller Brüder gar schwierige und hohe Lehren gegeben hatte, — welche ich wie gesagt im vierten Buche der Einrichtungen, so kurz ich konnte, zusammenfaßte, — da schienen uns die Höhen der wahren Entsagung so unbegreiflich und so wunderbar, daß wir glaubten, unsere Niedrigkeit könne durchaus nicht da hinaufsteigen. So kehrten wir, von Verzweiflung niedergeschlagen und schon in der Miene die innere Bitterkeit unserer Gedanken offenbarend, zu dem gottseligen Greise mit gar ängstlichem Herzen zurück. Da er sogleich nach der Ursache einer solchen Traurigkeit fragte, antwortete Abt Germanus mit schwerem Seufzen also:
