35. Abschluß über die falsche Weisheit.
Unzählig sind die Aussprüche und Taten der Philosophen, die von ihrer Unweisheit zeugen. Alles aufzuzählen, wäre unmöglich; einiges wird genügen, um uns zur Einsicht zu führen, daß die Philosophen weder Lehrer der Gerechtigkeit sind, die sie nicht kennen, noch Lehrer der Tugend, die sie sich fälschlich beilegen. Was sollen sie auch lehren, nachdem sie oftmals ihre eigene Unwissenheit eingestehen? Ich sehe von Sokrates ab, dessen Ausspruch bekannt ist. Anaxagoras spricht es offen aus, daß alles von Finsternis umhüllt ist; nach Empedokles sind eng die Pfade der Sinne, die zur S. 171 Auffindung der Wahrheit führen. Nach dem Zeugnis des Demokritus liegt die Wahrheit in tiefem Schachte versenkt; und weil sie diese niemals finden, behaupten sie, daß es noch niemals einen Weisen gegeben habe. Nachdem also die menschliche Weisheit, wie Sokrates bei Plato sagt, nichtig ist, so wollen wir der göttlichen Weisheit folgen und Gott Dank sagen, daß er sie uns geoffenbart und gelehrt hat; und uns selbst wollen wir Glück wünschen, daß wir uns der Wahrheit und Weisheit durch himmlische Vergünstigung erfreuen, jener Wahrheit und Weisheit, die so viele hochbegabte Männer in so vielen Jahrhunderten eifrig gesucht und niemals gefunden haben.
