IX. KAPITEL. Antwort auf die Frage, ob es eine subsistenzlose Natur gebe.
S. 134 Wenn es auch keine unhypostatische Natur oder unpersönliche Wesenheit gibt — denn die Wesenheit und die Natur wird in Hypostasen und Personen betrachtet —, so ist es doch nicht notwendig, daß von den miteinander hypostatisch geeinten Naturen eine jede eine eigene Hypostase besitze. Es kann ja sein, daß sie in eine Hypostase zusammenlaufen und dann weder unhypostatisch sind noch für jede eine eigene Hypostase haben, sondern beide ein und dieselbe. Dieselbe Hypostase des Wortes bildet nämlich die Hypostase der beiden Naturen, sie läßt weder eine von ihnen unhypostatisch sein noch gestattet sie fürwahr, daß sie hypostatisch voneinander verschieden sind, noch ist sie [die Hypostase] bald von dieser, bald von jener [Natur], sondern sie ist immer ohne Trennung und ohne Scheidung Hypostase beider. Sie teilt und scheidet sich ja nicht und weist nicht einen Teil von ihr dieser [Natur], einen Teil jener zu, sondern sie ist ungeteilt und vollständig [Hypostase] ganz von dieser und ganz von jener. Denn nicht in eigener Hypostase subsistiert das Fleisch des Gott-Logos, noch existiert außer der Hypostase des Gott-Logos eine andere Hypostase, sondern es subsistiert in ihr, ist vielmehr hypostasiert, es hat kein selbständiges Fürsichsein. Daher ist es weder subsistenzlos (unhypostatisch) noch führt es eine andere Hypostase in die Dreiheit ein.
