19. Im Zweikampf hat Jakob Gott gesehen, aber nicht mit den Augen des Körpers, sondern des Geistes.
Sei jetzt bei mir, sei bei mir, mit deinem Glaubensgeist, heiliger und seliger Patriarch Jakob, gegen das giftsprühende Zischen der Ungläubigkeit! Und wenn du im Kampf mit dem Menschen überlegen warst, so bitte als der Stärkere um so dringlicher um seinen Segen.1 Was bedeutet es, daß du einen Schwachen bittest, daß du von einem Kraftlosen forderst? Wessen Segen du erbittest, den erdrückst du als der Stärkere mit deiner Umklammerung. Von dem Tun deines Leibes ist das Handeln deines Geistes verschieden: denn ein anderes als du tust, denkst du. Im Ablauf deines Kampfes umklammerst du einen schwachen Menschen: aber dieser Mensch gilt dir als der wahre Gott, nicht dem Namen nach, sondern in seinem Wesen. Denn nicht mit vorgetäuschten Segnungen forderst du, Patriarch, gesegnet zu werden, sondern mit wirklichen. Mit einem Menschen kämpfst du, aber Gott siehst du von Angesicht zu Angesicht. Das nimmst du nicht mit den Augen deines Leibes wahr, was du durch das Gesicht deines Glaubens erkennst. Ein schwacher Mensch ist es nach deiner (irdischen) Schätzung; aber deine Seele fand Heil um des Gottes willen, den du sahest. Jakob bist du während des Kampfes, nach der Glaubenstat der Segensforderung bist du Israel. Unterworfen ist dir der Mann dem Leibe nach, wie bei dem Geheimnis des Leidens im Fleische:2 (aber S. 239 auch) in der Schwachheit des Fleisches bleibt Gott dir nicht unbekannt, gemäß dem Geheimnis des Segens im Geist. Der (äußere) Anblick hindert auch nicht das Bestehen des Glaubens, noch auch widerrät die Schwachheit, den Segen zu fordern. Weder setzt der Mensch es durch, daß, wer (dem Augenschein nach) Mensch ist, nicht Gott sei; noch auch, daß derjenige nicht wahrer Gott sei, wer Gott ist. Denn unmöglich kann nicht wahrer Gott sein, wer Gott ist, beim Segnen, beim Übertragen, beim Benennen.
