7. Daß man sich niemals der göttlichen Communion würdig erachten solle.
Wir müssen aber unser Herz mit einer solchen Wache der Demuth umgeben, daß wir mit immerwährender Festigkeit unseres Sinnes die Lehre bewahren, es sei durchaus unmöglich für uns, zu einem solchen Verdienste der Reinheit zu gelangen, daß wir uns für würdig halten dürfen, den hl. Leib zu empfangen, wenn wir auch alles oben Gesagte mit der Gnade Gottes gethan haben. Erstens, weil die Majestät dieses himmlischen Manna so groß ist, daß kein mit diesem schmutzigen Fleische Bekleideter den Genuß desselben durch sein Verdienst erhält, sondern nur durch die gnadenvolle Freigebigkeit des Herrn. Dann, weil Niemand in dem Kampfe dieser Welt so vorsichtig sein kann, daß ihn nicht wenigstens hie und da oder leichthin die Geschoße der Sünde treffen: denn es ist unmöglich, daß er nicht entweder aus Unwissenheit oder Lässigkeit, aus Eitelkeit oder Überraschung, in Gedanken oder im Drang oder aus Vergeßlichkeit sündige. Wenn auch Jemand eine solche Höhe der Tugend erstiegen hätte, daß er ohne zu prahlen mit dem Apostel ausrufen dürfte: 1 „Mir aber ist es das Geringste, von euch gerichtet zu werden oder von einem menschlichen Gerichtstage, und ich richte mich auch selbst nicht, denn ich bin mir Nichts bewußt“: so mag ein Solcher doch wissen, daß er nicht ohne Sünde sein kann; denn nicht umsonst fügt derselbe Lehrer bei: „Aber darin bin ich nicht gerechtfertigt“ — d. i., nicht wenn ich selbst glaube, daß ich ge- S. b338 recht sei, werde ich gleich den wahren Ruhm besitzen; noch bin ich deßhalb schon von keiner Schmutzbefleckung geschwärzt, weil mich mein Gewissen mit keinem Vorwurf einer Sünde quält; denn Vieles entgeht meinem Gewissen, was also wohl mir unbekannt und dunkel, Gott aber bekannt und offenbar ist. Deßhalb sagt er nachher noch: „Der mich aber richtet, ist der Herr,“ d. h. von Jenem allein, welchem die Geheimnisse der Herzen nicht verborgen sind, wird die wahre Richterprüfung über mich ergehen.
I. Kor. 4, 3. ↩
