II. Unechte Schreiben
Diese sind vorerst zwei Schreiben, welche P. Victor an Desiderius, Bischof von Vienne, und dessen Nachfolger Paracodas über die Osterfeier gerichtet haben soll.1 Sie wurden zuerst von Johannes a Bosco in den Additamentis bibliothecae Floriacensis edirt und von Baronius in seine Annalen zum J. 197 n. 17. aufgenommen; nun aber gelten sie allgemein für apokryph und mit Recht; denn 1) wird verordnet, daß das Pascha vom 15.–22. Nisan zu feiern sei, was aber Eusebius nirgends berichtet; dagegen wird, was dieser von der Anordnung Victors, daß Pascha am Sonntage zu feiern, erzählt, nicht erwähnt; 2) ist nicht anzunehmen, daß Victor sich mit seinem Auftrage, die Weise der Paschafeier den übrigen Bischöfen Galliens mitzutheilen, an den Bischof von Vienne gewendet hätte; gewiß hätte er hiemit den Irenäus von Lyon, welcher nach Eusebius (H. E. 5, c. 22, et 24.) den Kirchen Galliens vorstand, S. 284 beauftragt; und 3) wird der erste dieser Briefe an Desiderius Bischof von Vienne gesandt, der zweite an dessen Nachfolger Paracodas, dieser aber hier nicht Desiderius, sondern Dionysius genannt. Wann und von wem diese zwei Briefe gemacht wurden, ist unbekannt.
Coustant App. p. 19—22. ↩
