33. Von Asteriolus und Secundinus
Asteriolus und Secundinus galten damals viel beim Könige. Denn sie waren beide gelehrt und in den schönen Wissen- S. 171 schaften wohl bewundert. Da aber Secundinus häufig vom Könige zu Gesandtschaften an den Kaiser benutzt war, wurde er hochmütig und erlaubte sich nicht selten Übergriffe. Daher brach zwischen ihm und Asteriolus ein heftiger Zwist aus, und es kam sogar so weit, daß sie es nicht bei Schimpfreden bewenden ließen, sondern sich mit den Fäusten wund schlugen. Als dieser Streit vom Könige kaum beigelegt war und Secundinus noch an seinen Wunden geschwollen war, entstand unter ihnen abermals ein Hader. Der König nahm sich des Secundinus an« und gab ihm den Asteriolus preis. Dieser wurde dadurch tief gedemütigt und verlor seine Stelle, wurde aber später von der Königin Wisigarde wieder eingesetzt. Nach ihrem Tode erhob sich jedoch Secundinus abermals wider ihn und tötete ihn. Asteriolus hinterließ bei seinem Tode einen Sohn; als der herangewachsen und zu männlichen Jahren gereift war, fing er an, daran zu denken, wie er das an feinem Vater begangene Unrecht rächen könnte. Da wurde es Secundinus bange und er floh vor ihm von Hof zu Hof; da er aber sah, daß jener ihn doch erreichte und er ihm nicht mehr entrinnen könne, vergiftete er sich, wie man erzählt, um nicht seinem Feinde in die Hände zu fallen.
