11.
Hörst Du das gerechte Gericht für die Gerechten und die Sünder vom Herrn? Wie wir nur wollen, können wir verändern die Verheißungen in Drohungen und Strafen. Wir vermögen auch unser Leben zu verwandeln in Tod, und den Tod in Leben, und indem wir die Grenze Gottes ziehen wie wir wollen, bewegen wir uns im Guten und im Schlechten, wessen Gott allein vermögend ist, nach dem Propheten, welcher sagt: „Wenn ihr mich hören wollt, so werdet ihr genährt werden mit den Gütern der Erde; wenn ihr aber mich nicht hören wollt, so wird das Schwert euch fressen; denn der Mund des allmächtigen Herrn hat dieses gesprochen.“ 1 Und der Apostel sagt: „Alle Dinge sind wegen euch, ob Tod, ob Leben, ob von dieser Welt oder nicht von dieser Welt, ob Höhe oder Tiefe; ihr seid Christi, sagt er, Christus aber ist Gottes.“2
Aber wenn er gesagt hat: Alles ist für euch, so bedeutet dieß für Jene, welche in ihrem Leben mit seiner lebendigen Liebe sind, und in seinem Willen in der Welt leben. Wie das Rauchfaß, welches durch wohlriechenden Weihrauch erfreut die nahen Großen und Kleinen, so ist auch immerfort wohlriechend der Geruch unseres Bekenntnisses und unserer Reinigkeit vor Christus. Und wenn er sagt: ob Tod, so bedeutet dieß, daß unser Tod, welcher für Christus ist, Zeuge werde seiner Liebe, daß wir mit solchem Tode hinübergehen zum S. 90 unsterblichen Leben der Unverweslichkeit, welche in Christus Jesus ist. Denn nicht bloß dieser ist ein ehrenvoller Tod derer, welche die Würde des Marterthums erhalten haben in der Zeit der Verfolgungen durch Schwert und Feuer und Wasser oder auf eine andere schlechte Art, sondern Aller, welche in Christus getauft sind und Christum angezogen haben, den alten Menschen ausgezogen haben zugleich mit den Werken und angezogen haben den neuen erneuerten, welcher nach dem Bilde Gottes ist in Gerechtigkeit und Heiligkeit und Wahrheit, welche gestorben sind den Sünden, und immer lebendig sind für die Gerechtigkeit. „Denn wie Christus auferstanden ist von den Todten durch den Ruhm des Vaters, so sollen auch wir verwandelt werden zur Erneuerung des Lebens,“3 hat er gesagt. Durch das Absterben dem Fleische und dem fleischlichen Sinne und durch das Leben in Reinheit und Makellosigkeit gemäß der Gerechtigkeit des Gesetzes des Evangeliums Christi konnte er sagen: „Nicht ich lebe mehr, sondern Christus lebt in mir.“4 Denn ob diese Welt, wo wir den Schmuck der Tugend zeigen, oder die zukünftige. Alles ist durch ihn und durch seine Fürsorge und zu seinem Ruhme, welcher Alles in Allem erfüllt in der Tiefe und in der Höhe.
